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Einmal Tank entrosten? Eins Achtzig, der Herr!

Eins vorneweg: Solltet ihr das hier nachmachen, dann auf eigene Gefahr! Und wenn, dann bitte nur in gut belüfteten Räumen, oder am besten gleich im Freien!

Der innere Zustand des Tanks war eigentlich das Einzige, was mir ein wenig Bauchschmerzen bereitete, als ich die TS bei der Abholung inspizierte. Rost, überall. Nicht der leichte Flugrost, wie ihn viele Tanks haben, nein, er war innen flächendeckend braun. Braun und rau wie Putz.

Das hätte mich ja nichtmal weiter gestört; der Tank kann innen von mir aus so rostig sein, wie ihm das gefällt. Was mich aber doch gestört hat war, dass sich der Benzinhahn immer wieder zusetzte. Das wiederum führte natürlich dazu, dass der Motor nicht anständig lief und das ist bekanntlich schlecht für’s Karma.

Da traf es sich gut, dass Marc vor einer Weile mal einen Blogeintrag verfasste, in dem er beschreib, wie man ohne große Mühe einen Tank selbst chemisch entrosten kann. Alles was man dazu benötigt ist ein Motorrad- oder Autobatterieladegerät und etwas Chlorreiniger. Man gibt drei Teile Wasser auf einen Teil Chlorreiniger in den Tank, schließt den Minuspol am Tank an und hängt den Pluspol in die Chlorlösung. Möglichst ohne dabei einen Kurzschluss zu fabrizieren.

Soweit die Kurzfassung.

Weil mein Tank, wie bereits erwähnt, extrem rostig war und der Versuch der Beschaffung von Badreiniger auf Natriumhypochlorit Basis (das braucht’s nämlich!) an Karfreitag vermutlich ein reichlich sinnloses Unterfangen gewesen wäre, lud ich, um den locker sitzenden Rost zu entfernen, eine gute Hand voll Spaxschrauben in den Tank und ließ ihn, gut verschlossen und in Decken gewickelt, eine halbe Stunde im Wäschetrockner rotieren. Danach schüttelte ich den losen Rost samt Schrauben heraus und wiederholte die Prozedur ein zweites Mal.

(Ich hatte leider versäumt ein Bild vom Urzustand zu machen. Die Bilder oben zeigen den Tank nach dem ersten Durchgang. Der Rostbefall, wie er auf den Bildern zu sehen ist, war schon bedeutend besser, als die Ausgangsbasis!)

Heute wagte ich mich also an die chemische Reinigung. Dazu ging ich folgendermaßen vor:

  • Ich verschloss die Öffnung des Benzinhahns mit einer kleinen Aluplatte und einem Stück vom kaputten Schlauch des Hinterrades (als Dichtung).
  • Danach entleerte ich die kompletten 1,5 Liter Saubermax in den Tank und füllte den Rest mit Wasser auf.
  • Nachdem ich mir aus einem alten Stück Flacheisen eine anständige Kathode zurechtgebogen hatte, brachte ich sie so am Tank an, dass ca. 8cm des Flacheisens in der Lösung verschwanden und das Eisen keinen Kontakt zum Metall des Tanks bekam.
  • Nun klemmte ich den Minus Pol an die kleine Aluplatte, die den Benzinhahn ersetzte und den Plus Pol an das Flacheisen.

Als ich das Ladegerät in die Steckdose steckte konnte ich auch direkt schon eine Reaktion beobachten. Es zischte, brodelte und schäumte. Das sah doch schon sehr vielversprechend aus!

Leider hatte ich es mit der Füllmenge etwas zu gut gemeint und musste die erste viertel Stunde immer mal wieder den Rostschaum, der durch die Reaktion entstand, mit einem kleinen Plastiklöffel abschöpfen. Aber danach war die Sache ein Selbstläufer.

Nach drei Stunden Wartezeit stellte ich den Strom ab. Ich leerte den Tank, spühlte ihn mit dem Hochdruckreiniger ein paar Mal kräftig durch und legte ihn anschließend zum Trocknen in die Sonne.

Hier das Ergebnis:

Ich bin sehr zufrieden! Klar, in den Ecken sieht man noch etwas Braun und versiegelt ist er so auch nicht, aber wenn immer ordentlich Sprit im Tank ist, sollte ich jetzt doch wieder eine ganze Weile Ruhe haben.

Nachtrag 1: Kollege Kutze machte mich vor kurzem darauf aufmerksam, dass es noch erwähnenswert wäre, dass man als Stromquelle ein älteres Ladegerät benutzen sollte. Moderne Ladegeräte mit Lasterkennung merken nämlich, dass sie nicht an eine Batterie angeschlossen sind und geben folglich auch keine Spannung auf die Kontakte.

Nachtrag 2: Erfolgsmeldung von Martin

Nachtrag 3: Erfolgsmeldung von Ole

Nachtrag 4: Erfolgsmeldung von Jürgen

Nachtrag 5: Hinweis zum den Gefahren von Natriumhyperchlorit von Hilbert – Hier der Link zur Wikipedia

Nachtrag 6: Erfolgsmeldung von Roland

Nachtrag 7: Erfolgsmeldung von Armin

Nachtrag 8: Erfolgsmeldung von Matthias

Nachtrag 9: Erfolgsmeldung von Nico

Nachtrag 10: Erfolgsmeldung von Micha

Nachtrag 11: Erfolgsmeldung von Basti

Nachtrag 12: Erfolgsmeldung von Klaus

Nachtrag 13: Erfolgsmeldung von Dirk

Nachtrag 14: Hinweis von Kawa C 250 Z: „Diese Methode, geht genauso gut mit einer geladenen Autobatterie. Ich hatte es ebenfalls mit einer solchen gemacht. Funktioniert genauso.“

Nachtrag 15: Erfolgsmeldung von Klaus

69 Kommentare

  1. Hallo,

    wollte kurz mitteilen, dass es bei meinem 20-Liter Tank einer XTZ 660 prima geklappt hat. Und der stand 19 Jahre…
    Ich habe von DM die Hausmarke genommen, da der einen etwas höheren Anteil Natriumhypochlorid hat.
    Ich habe 3 Flaschen (4,5 Liter) reingekippt und mit Wasser aufgefüllt. Dann Autobatterie am Tank und mit einer M8 Gewindestange als Anode in die Flüssigkeit angeschlossen.
    Nach spülen und Dampfstrahlbehandlung sieht er innen fasst jungfräulich aus.
    Vielen Dank für den Tipp!!!

  2. Björn sagt

    Hallo,
    anschließend alles einfach im Abfluss entsorgen?
    Vielen Dank für die Beschreibung :)
    MfG
    Björn

  3. Vielen Dank für den Beitrag zum Entrosten von Tanks. Der Tank in meinem Roller ist durchgerostet und ich frage mich, ob das ein Fall für die Reparatur ist oder vielleicht doch noch in Eigenregie behoben werden kann. Deine Anleitung ist sehr ausführlich. Gut zu wissen, dass ich für die Entrostung ein Ladegerät benutzen müsste und so einiges an Badreiniger.

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