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#touratien – Kroatien Tour 2010

Freitag, 16. Juli – Heizöltanker

Martinšćica (Kroatien) – Sveti Juraj (Kroatien)

Wir machten uns lieber schnell aus dem Staub. Der Asphalt war glühend heiß und zwischen den Gittern des Abflusses konnte man die flimmernden Treibstoffdämpfe aufsteigen sehen. Ein Funke und die gesamte Tankstelle würde uns um die Ohren fliegen.

Den gestrigen Tag verbrachten wir größtenteils auf See. Inselhopping. Von Cres nach Krk, von Krk nach Rab und schließlich von Rab wieder ans Festland. Unsere Fähren waren wahre Überbleibsel der Sovjetzeit. Linoleum an Fußböden, Wänden und Decken, Plastiksitze, eine Jugoslawienkarte und ein aus den Lautsprechern dröhnender Männerchor. Nachdem wir die Zeitmaschine verlassen hatten suchten wir uns nur noch einen netten Campingplatz und ließen es für heute gut sein.

Zurück in der Gegenwart. Wir waren auf dem Weg zu den Plitwitzer Seen und wollten nur kurz tanken. Eigentlich keine all zu schwere Aufgabe. Allerdings sind kroatische Tankstellen eigenartig. Jede auf ihre Weise. Bei dieser hier war z.B. die Beschriftung der Zapfsäulen etwas irreführend. Die Zapfsäule für Super Benzin hatten oben einen grünen Streifen, auf dem in weißer Schrift „Euro Super 95“ stand. Die Dieselzapfsäule hatte einen schwarzen Streifen, auf dem einfach nur „Diesel“ stand. Tja, und dann gab es noch eine weitere Zapfsäule. Mit grünem Streifen und weißer Schrift. Auf dem stand allerdings nicht „Euro Super 95“, sondern „Euro Diesel“. Und den hatte Patrick gerade versehentlich getankt.

„Alles OK“ versuchte der Tankwart uns mit seinem stark kroatischen Akzent zu beruhigen und winkte unterstützend Richtung Gulli (mit Ölabscheider), während der Diesel darin verschwand. Uns war die Sache nicht so ganz geheuer. Zu allem Überfluss kam gerade jetzt ein kroatischer Motorradclub an die Tankstelle, bei denen die ganze Aktion natürlich für Erheiterung sorgte.

Als das Verhältnis von Benzin zu Diesel wieder ein vernünftiges Maß erreicht hatte schepperten wir weiter. Unser Weg führte uns durch immer ländlichere Gegenden. Immer wieder konnte man in einiger Entfernung Häuser sehen, die vom Krieg noch gezeichnet waren. Nach einer Weile tauchte direkt rechts neben uns am Straßenrand so ein Haus auf und wir hielten an. Jetzt hier zu stehen, vor einem dieser zerschossenen und ausgebrannten Häuser war etwas, was mir sehr nahe ging. Das hier war nichts abstraktes wie ein Denkmal, kein erhobener Zeigefinger. Das hier war echt. Es war ein ganz normales Haus in dem bis vor noch nicht einmal zwanzig Jahren noch ganz normale Menschen wohnten. Vielleicht ist einer davon sogar gerne Motorrad gefahren, wer weiß. Jetzt war es eine Ruine. Zerschossen und ausgebrannt. Ohne viel zu reden setzten wir uns wieder auf unsere Maschinen und fuhren weiter.

Irgendwann erreichten wir schließlich die Plitwitzer Seen. Wir stellten uns ganz brav in die Schlange der an der Parkplatzschranke wartenden Fahrzeuge, wurden aber, als man uns entdeckte an der Schranke vorbei gewunken. Für Motorräder ist das Parken kostenlos. Nett. Wir stellten unsere Maschinen zu ein paar anderen Motorrädern und machten uns erst einmal schlau, wie das hier abläuft. Tickets kaufen, Route raussuchen, an der passenden Stelle warten, bis eine kleine Bahn vorbei kommt und einen zum Starpunkt für die jeweilige Tour bringt. In Anbetracht der Tatsache, dass es brüllend heiß war und wir in Motorradklamotten hier herumliefen, entschieden wir uns für die kürzeste Route. Und selbst die war noch ganz schön anstrengend. Aber auch schön. Vermutlich wäre es ohne die ganzen schweinebäuchigen Touristen mit ihren kirschroten Köpfen, die einem mit ihrer plumpen Trampelei um einige richtig gute Fotos brachten noch schöner gewesen, aber so ist das hier vermutlich am Wochenende.

Es wurde langsam dunkel, als wir wieder am Campingplatz eintrafen. Standardprogramm.

8 Kommentare

  1. kinderstampfer sagt

    Hach!

    Naechstes Jahr ist bei mir auch wieder was laengeres mit einem einspurigen Gefaehrt faellig. Ob muskelbetrieben oder mit der bockigen Innviertlerin steht noch nicht fest.

    Danke, sowas zu lesen motiviert :-)

  2. Sehr schöner Bericht und tolle Bilder. Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, ihn zu lesen. Ich hoffe ja auch nächstes Jahr und die 50er Tour. Das wird bestimmt auch spaßig. :)

  3. Wow, wirklich echt toller Reisebericht und die Fotos fangen die Stimmung der kroatischen Landschaft wirklich super ein.

    Jedem der die Tour machen will kann ich jedoch empfeheln sich ein wenig mehr Zeit zunehmen und noch weiter südlich runter zu fahren bis nach Dubrovnik. Landschaft und Stadt lohnen sich sehr.

    Grüße

    • @Steffen: Danke! :)

      Wir wollten eigentlich auch länger bleiben, aber Kroatien war deutlich teurer, als wir angenommen hatten und uns ging die Kohle aus. :) (Okay, wir ließen es uns aber auch gut gehen.)

      Aber da uns Slowenien so gut gefallen hat und wir auch nicht in Bosnien waren, waren wir uns eigentlich einig der Ecke der Welt ohnehin nochmal einen Besuch abstatten zu müssen. :)

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