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Fotolovestory: Odenwaldknattern

Da der Name „Odenwaldknattern“ im Vorfeld doch für ein gewisses Maß an Verwirrung gesorgt hat, bin ich so frei und zitiere diese Definition aus dem Bilderbogen des Herrn Trölf: Außerdem möchte ich noch hinzufügen: Odenwaldknattern – Substantiv (Eigenname), Neutrum. Bezeichnet rund 300 mit guten Menschen auf 50-Kubik-Maschinen gefahrene Kilometer im Odenwald, die als Substitut für das Nicht-Stattfinden einer großen Tour in diesem Jahr dienen. Eine Chronologie der Ereignisse gibt es auf Twitter. Tag eins: Tag zwei:

Je suis Marcel – BMW S 1000 R

Gedankenverloren ließ ich das Victorinox auf- und zuschnappen und schickte dem letzten Bissen des schweizerischen Schinkens einen Schluck Rivella hinterher. Ich betrachtete die S 1000 Einfach-R, die nun endlich halbwegs sicher auf einem freiliegenden Stück des Felsens stand, auf dem wir uns gerade befanden. Die letzten Minuten und Kilometer noch einmal Revue passieren lassend, hatte ich plötzlich das Bild von Marcel Reich-Ranicki vor dem inneren Auge, wie er beim literarischen Quartett in seinem Sakko versackt da sitzt und mit gellender Stimme und dem typisch scharf gelispelten S „Nein, nein, nein! Was soll das?“ plärrt. Wieso ausgerechnet Reich-Ranicki? Keine Ahnung. Ist an sich aber auch nicht weiter von Belang, denn seine Kritik, die mir offenbar so in Erinnerung geblieben ist, passte auch gut auf die BMW: So eine großartige Maschine und dann dieses Design? Was soll das?

Der Kriegsberichterstatter – BMW S1000RR 2k15

Es war ein Schlachtfeld. Babyblaue Supersport-Schrapnelle Marke König Ludwig 9000 flogen mir um die Ohren, mein Puls hatte mit der Leistung der Maschine mindestens gleichgezogen und von meinem Instruktor fehlte jede Spur. Er hatte mich zum Sterben zurückgelassen, oder als mobile Schikane für die wahnsinnigen Schlächter der roten Gruppe. Ich hatte wieder zwei Angriffe überlebt und mir ging das gelächelte „Ja neee, is‘ klaaa!“ durch den Kopf, mit welchem die Startlistenfrau meinen Wunsch doch bitte in der grünen, der langsamsten der drei Geschwindigkeitsgruppen starten zu wollen kommentiert, und mir dabei den gelben Aufkleber der mittleren Gruppe auf den Helm gepappt hatte. Mein unrepräsentativ schnelles Outfit hatte sie wohl zu dieser fatalen Fehleinschätzung verleitet. Ach, hätte ich doch nur etwas vehementer protestiert …

Louis der Dickschiffkapitän

Honda Gold Wing F6B, Gold Wing F6C, CTX1300 — Der Kollege der französischen Génération Moto stand mit seiner weißen CTX1300 am Straßenrand und deutete über seine Schulter nach hinten. Ha! Tatsächlich, da stand sie. Etwas in die Jahre gekommen vielleicht, aber egal … Salut aux amateurs de grosses fesses und herzlich willkommen zum zweiten Teil der Frankreich-Reihe „Louis“. Teil 1 beschäftigte sich mit der französischen Straßenverkehrskultur und dem Rollerfahren bei Dauerregen, Teil 2 nun mit einer Wallfahrt und dem Lenken dreier Honda-Dickschiffe bei Sonnenschein. Honda Presse-Roadtrip, Südfrankreich. Als fest stand, dass unsere Route von Aix-en-Provence nach St. Tropez führen würde, dem Schauplatz der Filmreihe „Der Gendarm von St. Tropez“, war klar, ich würde dem größten aller Franzosen, dem Maître de la Comédie, Louis de Funès, meinen Tribut zollen. Nur wie? Wieder den Bastkorb mit ausgedruckter Ikone? Das wäre zu plump. Außerdem unpassend, bei allem anderen außer einem Roller. Hm… (tl;dr – Siehe Platz 1)

Louis der Ludenschreck

“Nein!? Doch! Ohhh!” Ich konnte förmlich hören, wie die Worte des Entsetzens über das gerade Erlebte von den Innenseiten seiner Schädeldecke als Echo wiederhallten, während ich mich behände auf der dritten von zwei Spuren am Innenstadtstau vorbeischlängelte. Mit einem Motorrad oder, wie in meinem Fall gerade, einem adäquat motorisierten Roller einen handelsüblichen PKW an der Ampel stehen zu lassen ist zum einen keine große Kunst, und zum anderen reichlich pubertär. Aber was sollte ich machen? Hatte er mich doch durch mehrfaches Hochdrehen des Motors regelkonform dazu herausgefordert. Man möchte ja auch nicht unhöflich sein. Er, mein “Kontrahent”, saß sonnenstudiogebräunt und mit massigen Silberketten behangen in einem weißen Mercedes Coupe mit übergullideckelgroßen, hochglanzpolierten Felgen und schaute durch seine Ray-Ban Sonnenbrille, die er trotz des diesigen Wetters trug, zu mir herüber. Als fairer Sportsmann klappte ich natürlich das dunkle Visier meines Helms herunter, um mir keinen Vorteil zu verschaffen. Die Ampel schaltete auf grün und der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Ich selbst saß auf einem Honda Integra und war gerade auf dem Weg …

Bloody Hippies! – TT 2013

Es war das Wochenende zwischen der Practice und der Race Week. Zusammen mit dem Kollegen Dr. Gleich saß ich im Sefton Hotel am Nick Jefferies Table und wir schwenkten gerade um, von Gin Tonic zu Single Malt Whiskey, während Phillip McCallen auf der kleinen Bühne Anekdoten über seinen ehemaligen Teamkollegen Joey Dunlop zum Besten gab. Wir saßen beim Dinner zum 30 jährigen Jubiläum von Joey’s erstem TT-Sieg auf einer Honda Maschine im Jahre 1983. Nette Menschen und glückliche Umstände hatten dafür gesorgt, dass ich dieses Jahr selbst hier sein konnte, beim Woodstock der Speedfreaks.

BÄMM, Fugu! – Dainese D-air Street

Die ersten drei Dinge, die mir so spontan zur Firma Dainese einfallen sind deren Logo, Guy Martin und die extrem stylische Samuraikombi. Wobei ich Letztere kenne, weil Vorletzter dafür geworben hat. Aber Airbags? … Eher nicht so. Das liegt zum einen mit Sicherheit daran, dass ich Airbags mehr mit PKW in Verbindung bringe, denn mit Motorradbekleidung, und zum anderen daran, dass ich beim Stichwort Airbag im Kontext Motorrad fast unweigerlich an die Goldwing denken muss. Die hat nämlich auch einen eingebaut. Das ist zwar kein Airbag im eigentlichen Sinn, sondern eine aufblasbare Abschussrampe, die den Fahrer über und nicht gegen den silbernen Opel Astra Kombi von Opa Karlheinz befördern soll, aber der Fakt ist eben ziemlich einprägsam – eine Abschussrampe am Motorrad. Das hat sonst nur noch das Mofa von Kim Jong Un. Wie dem auch sei, jetzt gibt es von Dainese jedenfalls auch Airbags. Zum Anziehen. Und um uns mal anzuschauen, wie das funktioniert und wie man sich als Kugelfisch so fühlt, waren Kollege Trölf und meine Wenigkeit bei Dainese zur Präsentation der D-air …