Alle Artikel in: Empfehlung des Hauses

Der Kriegsberichterstatter – BMW S1000RR 2k15

Es war ein Schlachtfeld. Babyblaue Supersport-Schrapnelle Marke König Ludwig 9000 flogen mir um die Ohren, mein Puls hatte mit der Leistung der Maschine mindestens gleichgezogen und von meinem Instruktor fehlte jede Spur. Er hatte mich zum Sterben zurückgelassen, oder als mobile Schikane für die wahnsinnigen Schlächter der roten Gruppe. Ich hatte wieder zwei Angriffe überlebt und mir ging das gelächelte „Ja neee, is‘ klaaa!“ durch den Kopf, mit welchem die Startlistenfrau meinen Wunsch doch bitte in der grünen, der langsamsten der drei Geschwindigkeitsgruppen starten zu wollen kommentiert, und mir dabei den gelben Aufkleber der mittleren Gruppe auf den Helm gepappt hatte. Mein unrepräsentativ schnelles Outfit hatte sie wohl zu dieser fatalen Fehleinschätzung verleitet. Ach, hätte ich doch nur etwas vehementer protestiert …

Louis der Dickschiffkapitän

Honda Gold Wing F6B, Gold Wing F6C, CTX1300 — Der Kollege der französischen Génération Moto stand mit seiner weißen CTX1300 am Straßenrand und deutete über seine Schulter nach hinten. Ha! Tatsächlich, da stand sie. Etwas in die Jahre gekommen vielleicht, aber egal … Salut aux amateurs de grosses fesses und herzlich willkommen zum zweiten Teil der Frankreich-Reihe „Louis“. Teil 1 beschäftigte sich mit der französischen Straßenverkehrskultur und dem Rollerfahren bei Dauerregen, Teil 2 nun mit einer Wallfahrt und dem Lenken dreier Honda-Dickschiffe bei Sonnenschein. Honda Presse-Roadtrip, Südfrankreich. Als fest stand, dass unsere Route von Aix-en-Provence nach St. Tropez führen würde, dem Schauplatz der Filmreihe „Der Gendarm von St. Tropez“, war klar, ich würde dem größten aller Franzosen, dem Maître de la Comédie, Louis de Funès, meinen Tribut zollen. Nur wie? Wieder den Bastkorb mit ausgedruckter Ikone? Das wäre zu plump. Außerdem unpassend, bei allem anderen außer einem Roller. Hm… (tl;dr – Siehe Platz 1)

Louis der Ludenschreck

“Nein!? Doch! Ohhh!” Ich konnte förmlich hören, wie die Worte des Entsetzens über das gerade Erlebte von den Innenseiten seiner Schädeldecke als Echo wiederhallten, während ich mich behände auf der dritten von zwei Spuren am Innenstadtstau vorbeischlängelte. Mit einem Motorrad oder, wie in meinem Fall gerade, einem adäquat motorisierten Roller einen handelsüblichen PKW an der Ampel stehen zu lassen ist zum einen keine große Kunst, und zum anderen reichlich pubertär. Aber was sollte ich machen? Hatte er mich doch durch mehrfaches Hochdrehen des Motors regelkonform dazu herausgefordert. Man möchte ja auch nicht unhöflich sein. Er, mein “Kontrahent”, saß sonnenstudiogebräunt und mit massigen Silberketten behangen in einem weißen Mercedes Coupe mit übergullideckelgroßen, hochglanzpolierten Felgen und schaute durch seine Ray-Ban Sonnenbrille, die er trotz des diesigen Wetters trug, zu mir herüber. Als fairer Sportsmann klappte ich natürlich das dunkle Visier meines Helms herunter, um mir keinen Vorteil zu verschaffen. Die Ampel schaltete auf grün und der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Ich selbst saß auf einem Honda Integra und war gerade auf dem Weg …

Bloody Hippies! – TT 2013

Es war das Wochenende zwischen der Practice und der Race Week. Zusammen mit dem Kollegen Dr. Gleich saß ich im Sefton Hotel am Nick Jefferies Table und wir schwenkten gerade um, von Gin Tonic zu Single Malt Whiskey, während Phillip McCallen auf der kleinen Bühne Anekdoten über seinen ehemaligen Teamkollegen Joey Dunlop zum Besten gab. Wir saßen beim Dinner zum 30 jährigen Jubiläum von Joey’s erstem TT-Sieg auf einer Honda Maschine im Jahre 1983. Nette Menschen und glückliche Umstände hatten dafür gesorgt, dass ich dieses Jahr selbst hier sein konnte, beim Woodstock der Speedfreaks.

Tempori aptari decet. – #alpen50

„Tempori aptari decet.“ schrieb der römische Philosoph Seneca, „Man muss sich der Zeit anpassen.“ Dass er diese Worte zu Papyrus brachte, mit dem Wissen, wie nachhaltig sich eine am Lagerfeuer geborene, im wahrsten Sinne des Wortes Schnapsidee auf ein paar Moppedfahrer auswirken würde, darf man getrost bezweifeln. Altes Eisen, moderne Kommunikation Die Idee war simpel. Sowohl in ihrer Komplexität, als auch in ihrer Sinnhaftigkeit: Mit 50ern in die Alpen. Klar war zu Anfang eigentlich nur, dass man mit einem vernünftigen fahrbaren Untersatz anzutreten hatte. Vernünftig bedeutete in diesem Fall, es musste alt sein, aus Blech und mit Schaltung. Das ergab sich schlicht aus den Zweiradvorlieben der Väter des Gedankens. Ein Plastikroller mit Variomatik war somit kein vernünftiger fahrbarer Untersatz und hätte höchstens dann Zustimmung gefunden, wenn der Fahrer zugesichert hätte damit zum Ende der Tour einen Stunt vorzuführen, der die vollständige Zerstörung des Geschwürs zur Folge gehabt hätte. Das ganze war im August vergangenen Jahres und als die Zeit verstrich, konkretisierten sich die Pläne. Startpunkt sollte Darmstadt sein. Eine Woche Zeit, mindestens 1000 Kilometer Strecke …