Autor: Alexander

Auf Kurs – #motwunsch

„Verdammt! Finger weg von den Fischen!“ — Wir kamen gerade aus der Frankfurter Erlebnisfiliale des Outdoor-Ausrüsters Globetrotter, wo wir uns den zweiten Teil von Erik Peters Vortrag „Abenteuer Nordamerika“ angeschaut hatten. Wir saßen noch etwas zusammen und es tobte der unausweichliche Kampf um die besten Cracker der Snackbox, als sich der alte Griesgram mit dem Herrn Z. gegen mich zu verbünden schien. „Herr Z. hatte da übrigens eine Idee.“ meinte der Griesgram. Eindeutig ein Ablenkungsmanöver! Ich bunkerte vorsichtshalber noch ein paar Sesamfische. „Wie wäre es denn, wenn wir alle eine Art Wunschzettel an die Motorradindustrie schreiben würden und den zeitgleich veröffentlichen?“

Rise of the Hipsters – Intermot 2014

Ein Tag auf der Intermot muss nicht zwingend sein wie der kreuzbeladene Gang nach Golgota an einem geschäftigen Sonntagmorgen. Das ist die Erkenntnis, gezogen aus dem Besuch vom vorletzten Wochenende. Es kommt einfach nur auf die richtige Motivation für den Besuch an: Geht man hin, um sich tatsächlich das Material für nächstes Jahr anzuschauen, brummt einem nach kürzester Zeit messematt der Kopf. Geht man aber hin, um Leute zu treffen, sich skurrile Geschichten aus dem Messealltag anzuhören, Pizza zu essen und Espresso zu trinken, und nimmt lediglich zwischen den einzelnen Stationen fotografisch mit, was einem der Zufall ins Netz treibt, kann die ganze Sache ziemlich entspannt sein. Die zweite Erkenntnis: Die Hipster sind auf dem Vormarsch! Wo man hinschaut und -hört, Jethelme, Waxcotton Jacken, Bärte und Indie-Folk. — Okay, das war vielleicht ein klein wenig übertrieben. Die Intermot ist noch kein Distinguished Gentleman’s Ride, aber mit zwei Jahren Abstand zum letzten Besuch fällt schon auf, dass sich das Bild gewandelt hat. Die Hersteller haben gemerkt, dass es da eine Gruppe junger (nicht ganz so alter) …

… wo das drauf steht.

Die Dame, die sich gerade erkundigte, war der Archetyp einer Operndiva: klein, rundlich, elegant, mit hochtoupiertem schwarzen Haar und einer Sonnenbrille Marke „Puck die Stubenfliege“. Vielleicht war dieser Eindruck aber auch einfach nur sehr naheliegend, mit der alten Oper im Hintergrund, wer weiß … Jedenfalls wollte sie von mir wissen, was denn all die Motorräder zu bedeuten hätten, die im Kreis um den großen Brunnen herum parkten.

Geschaut: Sayonara Speed Tribes

Gleich vorneweg: jetzt wird’s speziell. Was folgt ist eine kurze Rezension des Films Sayonara Speed Tribes, einer Indie-Doku über die japanische Subkultur der Bosozoku – Nippons ureigener Form der Motorradgang. Seit ich 2011 das erste mal von dieser Dokumentation Wind bekommen habe – kurz nach Ende der Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter müsste das gewesen sein -, hatte ich stets ein halb waches Auge auf ihren Fortschritt. Fertiggestellt wurde sie 2012 und vorerst nur als DVD vertrieben. Seit Anfang August gibt es nun endlich auch eine Download- (6,99 USD) und eine Streaming-Variante (2,99 USD).

Louis der Dickschiffkapitän

Honda Gold Wing F6B, Gold Wing F6C, CTX1300 — Der Kollege der französischen Génération Moto stand mit seiner weißen CTX1300 am Straßenrand und deutete über seine Schulter nach hinten. Ha! Tatsächlich, da stand sie. Etwas in die Jahre gekommen vielleicht, aber egal … Salut aux amateurs de grosses fesses und herzlich willkommen zum zweiten Teil der Frankreich-Reihe „Louis“. Teil 1 beschäftigte sich mit der französischen Straßenverkehrskultur und dem Rollerfahren bei Dauerregen, Teil 2 nun mit einer Wallfahrt und dem Lenken dreier Honda-Dickschiffe bei Sonnenschein. Honda Presse-Roadtrip, Südfrankreich. Als fest stand, dass unsere Route von Aix-en-Provence nach St. Tropez führen würde, dem Schauplatz der Filmreihe „Der Gendarm von St. Tropez“, war klar, ich würde dem größten aller Franzosen, dem Maître de la Comédie, Louis de Funès, meinen Tribut zollen. Nur wie? Wieder den Bastkorb mit ausgedruckter Ikone? Das wäre zu plump. Außerdem unpassend, bei allem anderen außer einem Roller. Hm… (tl;dr – Siehe Platz 1)

Wos host g’sogt? – Alpine MotoSafe

Daaamals! *schnarch* Ja, damals. Von dort stammten die Eindrücke, die für mich lange das Bild vom Rollerfahren geprägt haben: Eine furchtbar quälende Art der Fortbewegung mit viel Drehzahl und Lärm, gleichermaßen fehlendem Vortrieb und einem Fahrverhalten, das die Niedertracht Brutus‘ wie die größte Geste der Ehrlichkeit wirken lässt. Grausam. Aber eben auch ein veraltetes Bild; das hatten mir die Regenschlacht zu Le Mans auf Hondas Integra und die Präsentation von Kawasakis Transformers-Vorfahren J300 gezeigt. Beide Male war es eine andere, viel bessere Erfahrung, als ich vorher erwartet hatte. Und in dieser Stimmung erreichte mich eine Mail der Firma Alpine, ob ich nicht mal ihre MotoSafe Ohrstöpsel ausprobieren wolle. Ohrstöpsel zum Motorradfahren, etwas, was ich mir aus eigenem Antrieb heraus vermutlich niemals zugelegt hätte. Aber da ich auch nie gedacht hätte, dass es mal jemand schafft einen Roller zu bauen, von dem ich sagen würde, dass er gut fährt … wieso nicht?