Getestet, Rund um Motorräder
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Wos host g’sogt? – Alpine MotoSafe

Daaamals! *schnarch* Ja, damals. Von dort stammten die Eindrücke, die für mich lange das Bild vom Rollerfahren geprägt haben: Eine furchtbar quälende Art der Fortbewegung mit viel Drehzahl und Lärm, gleichermaßen fehlendem Vortrieb und einem Fahrverhalten, das die Niedertracht Brutus‘ wie die größte Geste der Ehrlichkeit wirken lässt. Grausam. Aber eben auch ein veraltetes Bild; das hatten mir die Regenschlacht zu Le Mans auf Hondas Integra und die Präsentation von Kawasakis Transformers-Vorfahren J300 gezeigt. Beide Male war es eine andere, viel bessere Erfahrung, als ich vorher erwartet hatte.

Und in dieser Stimmung erreichte mich eine Mail der Firma Alpine, ob ich nicht mal ihre MotoSafe Ohrstöpsel ausprobieren wolle. Ohrstöpsel zum Motorradfahren, etwas, was ich mir aus eigenem Antrieb heraus vermutlich niemals zugelegt hätte. Aber da ich auch nie gedacht hätte, dass es mal jemand schafft einen Roller zu bauen, von dem ich sagen würde, dass er gut fährt … wieso nicht?

Die MotoSafe Ohrstöpseln – zwei plus einer als Ersatz – kommen zusammen mit je zwei grünen und gelben Dämpfereinsätzen, sowie einem Werkzeug zum Ins-Ohr-Tüddeln in einem kleinen Aufbewahrungstäschchen. Das Band, das zum Umhängen oder Aus-der-Tasche-Angeln dient, habe ich direkt von Anfang an weggelassen. Zum einen machen sowohl der Reißverschluss, in den das Band eingehakt wird, als auch der Karabiner einen reichlich filigranen Eindruck, zum anderen hat meine Icon Patrol Jacke genügend Taschen, in denen ich das Packerl leicht zugänglich verstauen kann.

Erwähnte Dämpfereinsätze sind eine Besonderheit der MotoSafe-Stöpsel. Sie sollen dazu dienen, möglichst viele der störenden und das Gehör malträtierenden Windgeräusche herauszufiltern, gleichzeitig aber möglichst viel Sprache, Motor- und Umgebungsgeräusch durchzulassen. Aus diesem Grund habe ich meine Tests zweimal durchgeführt, einmal mit den grünen Einsätzen für normale Dämpfung und einmal mit den stark dämpfenden gelben.

Grüne Dämpfereinsätze

Zuerst einmal galt es herauszufinden, wie die Sache mit dem Einführröhrchen funktionieren soll. – Wie jeder Mann weiss, sind Anleitungen nichts anderes als zusätzliches Verpackungsmaterial. – Als ich die Stöpsel schließlich in den Ohren hatte, fiel mein Blick rein zufällig auf besagtes Verpackungsmaterial. Die Grafik zeigte: alles richtig gemacht. Okay, die Aufgabenstellung war zugegebenermaßen auch nicht all zu anspruchsvoll. Neben der empfohlenen Methode des Einsetzens sind aber noch einige andere Bildchen darauf zu finden, mit Informationen, die sich einem nicht so direkt erschließen. Das ist zum einen „Wie trimme ich die Ohrstöpsel auf die richtige Länge?“ und zum anderen „Wie bekomme ich die Schmalzkorken wieder sauber?“.

Der erste Eindruck: Sitzen sehr angenehm. Das Material scheint wohl eine Art Silikon zu sein. Alpine selbst nennt es AlpineThermoSafe und sagt es passe sich durch Körperwärme der Form des Gehörgangs an, woraus der komfortable Sitz resultiere.

Unterhaltung ohne Helm: Geht sehr gut.

Unterhaltung mit Helm: Geht noch immer recht gut. Ich bin überrascht!

Fahren: Man nimmt, wie angepriesen, die Umgebungsgeräusche tatsächlich noch immer ganz gut wahr. Natürlich nicht voll, sondern leicht gedämpft, aber man ist nicht komplett von seiner Außenwelt abgekapselt. Gefällt mir gut!

Vom Motor- bzw. Auspuffgeräusch kommt für meinen Geschmack etwas wenig am Ohr an. Alle Maschinen meiner kleinen Testumgebung hatten noch – nicht gerade repräsentativ, gebe ich zu – ihre Serienschalldämpfer montiert und auch wenn das nicht immer der aufregendste Klang ist, dürfte davon trotzdem gerne mehr bei mir ankommen.

Wirklich beeindruckt haben mich die Teile auf der Autobahn, und ich denke, das ist auch, wo ihr Einsatz wirklich Sinn macht. Für ein paar Verbindungsetappen in Form von Landstraßen beim Einkaufen oder Ähnlichem wäre mir der Aufwand zu groß. Aber auf der Bahn! Diese Ruhe! Herrlich. Und was um einen herum passiert bekommt man dennoch ziemlich gut mit.

Überraschend: Dadurch, dass der Lärm des Fahrtwinds fehlt, kann man Musik mit Stöpseln sehr viel angenehmer hören (X-Lite X701 mit Ncom), als ohne. (Allerdings muss man das Ncom schon auf Anschlag stellen.)

Gelbe Dämpfereinsätze

Kurz zusammengefasst: Sie dämpfen mir zu stark. Die sind wohl eher was für Harley-Fahrer.

Fazit:

Würde ich sie mir kaufen? Hm… 25 € (Des warn ma fuffzich Mack!) finde ich schon eine ziemliche Ansage. Aber nachdem die Erkenntnis, dass man lästige Autobahnfahrten so entspannt hinter sich bringen kann, ähnlich positiv überraschend war, wie meine Rollkloabenteuer: Ja, gut möglich …

Nachtrag 28.07.14:

Die Braaap-Schnecke gibt es jetzt auch als Wallpaper zum Download.

braaap-schnecke

Download:

Desktop/Laptop: Rechtsklick > Speichern
Tatschdevice: Lange auf Link drücken > Speichern bzw. in neuem Tab öffnen

12 Kommentare

    • Ich kenne sonst nur diese klassich gelben zum Kneten. Die filtern halt aber rigoros alles weg, was Einlass begehrt. Und so komplett im akustischen Blindflug, das wär‘ mir nix …

  1. Pingback: Alpine MotoSafe Langzeittest | moppedfahren

  2. Ich habe gerade letzte Woche bei einer meiner ungeliebten Autobahnfahrten mir so eine Art weisses Plastik-Wachs-Ding in den Gehörgang geschoben. Eigentlich nicht richtig rein, sondern nur auf den Gehörgang (steht so in der Anleitung, sonst bekommt man die Dinger nicht mehr weg vom Trommelfell). Nach 500km ungarischer Puszta hatte ich das erste Mal keinen 24-Stunden-Tinnitus nach einem längeren Highwaysause. Leider weiss ich nicht mehr die Marke, könnte aber meinen Kumpel danach fragen. Am Rückweg hatte ich keinen Schutz vor der Fahrtwinddröhnung (ich hab die Teile leider in einem rumänischen Kabuff verlegt). Dies hat jedoch den Vorteil, dass, wenn ich jetzt die Augen schliesse, ich einen akustischen Flashback habe, der hoffentlich bald vergeht, aber die Erinnerungen an die Reise lebendig hält.

    • Na, dann doch lieber Fotos als Erinnerung! Aber frag‘ doch bei Gelegenheit mal Deinen Kumpel. Das würde mich, rein aus Neugier, schon mal interessieren, was das für ominöse Wachs-Pfropfen waren.

        • Ah, okay. Habe gerade mal danach gegoogelt, die kommen einfach nur von außen als Verschluss drauf. Hört man damit noch bisserl was, oder ist man da auch komplett von der Außenwelt abgeschottet?

          • Naja, eine Unterhaltung fällt schon schwer. Mit lautem Gebrüll kann man sich Basisinfos zurufen. Eine philosophischen Roundtable würde ich damit nicht veranstalten. Ob diese Teile die perfekte Wahl für Motoristen sind, weiss ich nicht, da ich bis jetzt kaum Vergleichswerte hatte. Zum Fahren waren sie ganz ok. Ohrenstöpseln rein, db-Killer raus, dann passt der Sound wieder.

  3. Hallo Alexander,

    ich bin auf der Suche nach einer duften neuen Jacke für die Stadtfahrten. Ich hatte da auch schon die Icon Jacken auf dem Schirm. Wie verhält sich denn deine Patrol Jacke so im Regen und bei kalten Tagen?

    • Zu der Jacke hatte ich vor einer Weile auch mal einen Text angefangen – eine Art Langzeitbericht – aber, naja, wie das halt so ist …

      Kurz: Gut! Bei unserem Le Mans Trip hatte ich nach ~600 Kilometern im Regen lediglich etwas feuchte Armbeugen. Allerdings wird sie, zumindest bei so langen Regenetappen, doch recht schwer. Mit Innenfutter drin kann man bis 5°C im T-Shirt unter der Jacke fahren (würde ich allerdings nicht mehr wirklich als Komfort-Zone bezeichnen).

      • Cool, das heißt für die Stadt und kleine Touren ausreichend. Für alles längere habe ich ja einen Vanucci Astronautenfernreiseanzug. Der sieht auf Arbeit nur immer stark deplaziert aus. :)

        • „Cool, das heißt für die Stadt und kleine Touren ausreichend.“ – Absolut! Die Patrol ist meine Alltagsallzweckjacke.

          „Der sieht auf Arbeit nur immer stark deplaziert aus.“ – Sehen diese Kampfanzüge – außer man fährt gerade eine Rallye oder ist auf Weltreise – eigentlich immer. Das war auch einer der Hauptgründe, die für die Icon sprachen (und die Kapuze).

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