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Rollklo? – Kawasaki J300

Als ich gerade (erneut) über den Bericht von 1000PS zum neuen K-XCT 300i von Kymco gestolpert bin, fiel mir ein: „Hattest du hier eigentlich was zum Kawasaki J300 geschrieben?“ *klick* „Oh. Nein. Nein, hattest du nicht.“

Kawasaki hat Anfang des Jahres im verregneten – denn es regnet immer, wenn ich Roller fahre – portugiesischen Faro den J300 vorgestellt, ihren ersten Roller für den europäischen Markt, wie sie selbst sagen. Furchtbar, dieses sperrige Anhängsel „für den europäischen Markt“. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass der J300 nunmal explizit für hiesige Käufer entwickelt wurde und gebaut wird, ist es doch mitschleppenswert. In Asien verkauft Kawasaki natürlich schon lange Roller.

Nun gut. Ich war also dort und bin ihn gefahren. Meine Erkenntnisse schrob ich in zwei Versionen danieder. Einer kurzen hier, und einer längeren (in der Transformers, He-Man und Steroide vorkommen) in der Bikerszene.

Kurzversion:

Der J300 ist …

  • … laut Kawasaki der erste Schritt auf dem Weg zum J-Concept, dem auf der Tokyo Motorshow 2013 präsentierten Lösungsvorschlag des Problems des Individualtransports der Zukunft.
  • … ein angepasstes, nicht aber einfach nur umgestempeltes Derivat des Kymco Downtown 300i. Kawasaki hat sich – meiner bescheidenen Meinung nach vernünftigerweise – einen Partner gesucht, der über das nötige Roller-Knowhow verfügt, um nicht bei Null anfangen zu müssen. Die Vorgaben, die in einer doch recht langen Liste der Unterschiede zwischen J300 und Downtown 300i resultieren, stammen aus Japan und werden in Taiwan umgesetzt.
  • … erfreulich gutaussehend. Besonders im matten Schwarz/Grün-Metallic der SE-Version. Seine relative Unpeinlichkeit verdankt er aber weniger der Farbe, auch wenn sie natürlich immens hilfreich ist, als viel mehr den sedierenden Stilelemente der hauseigenen Kraftradpalette, wie dem analogen Tacho und Drehzahlmesser, dem ZX-Resquen Scheinwerferdesign und richtigen Fußrasten für den Sozius.
  • … bequem. Selbst einem Goldwing-Sitzbank-verwöhnten Hintern fällt das auf. Dafür hat Kawasaki allerdings auch ein gutes Stück des darunterliegenden Staufachs geopfert, in dem jetzt „nur noch“ ein Integralhelm Platz findet, nebst Alltagskruschkram. (In den Downtown passen zwei Integralhelme.)
  • … gut fahrbar. Ne, echt! Der J300 ist ein von Grund auf waschechtes Rollklo mit den entsprechenden Bauteilen. Deshalb war ich freudig überrascht, als ich merkte, dass er sich nicht so fährt: Weder Kippeln noch schizophrenes Feedback, sondern ein stabiles und berechenbares Fahrverhalten (auch bei zügiger Kurvenfahrt, wenngleich sich das Fahrwerk dann etwas aufschaukelt), kräftige Bremsen mit angenehm unauffällig arbeitendem ABS und einem richtig guten variablen Getriebe – unteigig und direkt.
  • … wohl recht sparsam. Genau kann ich den Verbrauch nicht beziffern, da ich den Tank nur leer, nicht aber wieder voll gemacht habe. Ausgehend von der berechtigten Annahme auf einem randvollen J300 gestartet zu sein, den gefahrenen Kilometern, der Anzahl der Balken der Tankanzeige und etwas Mathematik, ergab sich ein Verbrauch von 3,46 Litern auf 100 Kilometer.

Ich denke, man kann es rauslesen: Der J300 hat mich positiv überrascht. Sieht anständig aus, fährt unerwartet gut und ist praktisch. Was mehr will man von einem Alltagsfahrzeug verlangen?

Specs:

Kostet: 5345 € (SE-Version: 5495 €) exkl. Fracht/Nebenkosten
Motor: 299 cm³ Einzylinder, Viertakt, 28 PS, 28,7 Nm
Gewicht: 191 kg (fahrfertig)
Sitzhöhe: 775 mm
Tankinhalt: 13 Liter

Langversion:

Bikerszene: Kawasaki J300 →

Fotos: Kawasaki

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