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BÄMM, Fugu! – Dainese D-air Street

Die ersten drei Dinge, die mir so spontan zur Firma Dainese einfallen sind deren Logo, Guy Martin und die extrem stylische Samuraikombi. Wobei ich Letztere kenne, weil Vorletzter dafür geworben hat. Aber Airbags? … Eher nicht so.

Das liegt zum einen mit Sicherheit daran, dass ich Airbags mehr mit PKW in Verbindung bringe, denn mit Motorradbekleidung, und zum anderen daran, dass ich beim Stichwort Airbag im Kontext Motorrad fast unweigerlich an die Goldwing denken muss. Die hat nämlich auch einen eingebaut. Das ist zwar kein Airbag im eigentlichen Sinn, sondern eine aufblasbare Abschussrampe, die den Fahrer über und nicht gegen den silbernen Opel Astra Kombi von Opa Karlheinz befördern soll, aber der Fakt ist eben ziemlich einprägsam – eine Abschussrampe am Motorrad. Das hat sonst nur noch das Mofa von Kim Jong Un.

Wie dem auch sei, jetzt gibt es von Dainese jedenfalls auch Airbags. Zum Anziehen. Und um uns mal anzuschauen, wie das funktioniert und wie man sich als Kugelfisch so fühlt, waren Kollege Trölf und meine Wenigkeit bei Dainese zur Präsentation der D-air Street Kollektion.

Innerhalb der D-air Reihe gibt zwei unterschiedliche Zweige, Racing und Street. Wie der geneigte Fachmann/die geneigte Fachfrau nun schon zweifelsohne richtig geschlussfolgert hat, ist der D-air Racing für die Rennstrecke entwickelt worden und der D-air Street für die Straße. Bis dahin keine große Überraschung. Interessanter wird es da schon, wenn man ins Detail geht. Gemeinsam haben beide den Schutz der Schlüsselbeine und die Aktivierung des Fugumodus mittels Kaltgasgeneratoren in 45 Millisekunden (Auslösezeit + Befüllzeit). Abgesehen davon, haben die verschiedenen Einsatzzwecke zwei komplett unterschiedliche Designs zur Folge.

Der D-air Racing schützt neben den Schlüsselbeinen die Schultern und den Hals, da das die Körperpartien sind, die bei den zwei gängigsten Figuren im Asphaltbodenturnen auf der Rennstrecke, dem High- und dem Lowsider, am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ganz anders in der Disziplin Straße. Hier hat man ja bekanntermaßen weder Auslaufzonen, noch Kiesbett, dafür aber eine ganze Menge ziemlich robuster Hindernisse, wie z.B. Bäume, Leitplanken, Trecker, silberne Kombis oder weiße Kleinwagen, die eben manchmal etwas ungünstig im Weg stehen. Um die Folgen solcher Begegnungen in Grenzen zu halten, schützt der D-air Street die Schlüsselbeine, den Brustkorb und den kompletten Rücken bis hoch in den Nacken.

Wer also glaubt, er würde sich etwas besonders Gutes tun, indem er sich einen D-air Racing kauft, um damit am Wochenende über die Hausstrecke zur nächsten Currywurstbude zu gondeln, hat nicht nur einen akuten Fall von Statussymbol (das gute Stück kostet immerhin auch knapp 2800 Euro), er hat sich auch getäuscht.

Aber wieso reite ich dann die ganze Zeit auf dem D-air Racing rum, obwohl er doch für das Gros der Motorradfahrer, das selten bis nie auf einer Rennstrecke unterwegs ist, gar nicht in Betracht kommt? Ganz einfach. Weil der größte Unterschied zwischen Racing und Street, die Autonomie, auch gleichzeitig mein einziger wirklicher Kritikpunkt am D-air Street ist. Während sich im Aerodynamikhöcker der D-air Racing Kombi neben der Elektronik und dem Kaltgasgenerator auch noch ein GPS-Modul, drei Bewegungsmesser und drei Drehratensensoren verstecken und sie so unabhängig vom gefahrenen Motorrad macht, braucht man beim D-air Street neben dem J-Kit, der eigentlichen Jacke, bzw. Weste, noch das sogenannte M-Kit. Dieses Kit besteht aus zwei dreiachsigen Beschleunigungssensoren die an der Gabel montiert werden, einem Rutschsensor unter der Sitzbank und der Zentraleinheit mit Display, welche auch im Auslösefall kabellos den Feuerbefehl an das J-Kit gibt. Der große Vorteil dieser Trennung ist natürlich, dass man weniger Bauteile in der Jacke mit sich herumträgt. Es bedeutet aber auch, dass man auf einem anderen Mopped, ohne M-Kit, nicht mehr zum Kugelfisch transformieren kann.

So viel zur Theorie. Da diese ja aber bekanntermaßen grau ist und sich mir die Gelegenheit bot, startete ich einen Selbstversuch. Ich bekam eine D-air Street GORE TEX Jacke und einen AGV Helm übergestülpt und kletterte zu Stefan Bradl, der von seinen Erfahrungen mit dem D-air Racing erzählt hatte, auf die Bühne. – Den Helm hat mir übrigens einer der italienischen Dainese Mitarbeiter ausgesucht. Darauf zu sehen: Eine gelbe 46 und das strahlende Konterfei von Herrn Rossi. (Dem Rennfahrer, nicht der Zeichentrickfigur.) – Wie dem auch sei. Stefan würde meinen Sozius simulieren und trug eine D-air Street Weste. Wir beide waren mit einer Yamaha XT1200 Super Ténéré gekoppelt, die ebenfalls auf der Bühne stand. Ich nahm Platz, Stefan blieb daneben stehen. Dann kam der Countdown. Drei, zwei, BÄMM! Nanu, keine eins? Das erinnerte mich ein bisschen die Szene aus Lethal Weapon, mit Danny Glover auf dem Klo.

Nach dem Knall, der deutlich lauter war als das, was ich von einem Bauteil erwartet hätte, das sich PÖFF, PFFF… Kaltgasgenerator nennt, folgte ein kurzer Ruck und plötzlich trug ich einen Kampfpanzer. Dieser Ruck ist schwierig zu beschreiben. Es fühlte sich ein wenig so an, als hätte mir jemand mit der flachen Hand leicht auf den Rücken gehauen. Es war nicht schmerzhaft, es war halt einfach ein Ruck. Der Airbag in der Jacke hatte sich ca. 5cm aufgebläht und war so prall, dass man ihn mit dem Finger kaum eindrücken konnte. Ich bewegte ein wenig den Kopf hin und her und war überrascht, wie gut er nach allen Seiten hin, besonders aber nach hinten, abgestützt war.

Das war schon cool! Einerseits ist die Jacke im Normalzustand leicht und luftig, beinahe wie ein Windbraker, andererseits trägt man im Kugelfischmodus einen Torsoschutz, dem, wenn überhaupt, nur ganz wenige andere Jacken das Wasser reichen können.

Das schöne an so einem eigenen Blog ist ja, dass man schreiben kann, was und wie es einem gefällt. Keiner sagt Sachen wie „Uuuhhh. Das kannst du so aber nicht schreiben, die sollen doch noch eine Anzeige bei uns schalten!“ und so war ich mir im Vorfeld nicht wirklich sicher, was am Ende wohl für ein Text dabei herauskommen würde. Es hätte ja auch sein können, dass die D-air Street Klamotten nur das nächste Safety-Gimmick sind für die, denen eine Warnweste nicht mehr reicht. Das war zum Glück nicht so. Hätte ja aber sein können. So aber muss ich sagen, bin ich echt beeindruckt!

5 Kommentare

  1. Interessanter Bericht, gut geschrieben.

    Die Sache mit der Technik im Mopped finde ich auch nicht optimal gelöst, auch wenn es sicherlich angenehmer ist, als alles in der Jacke zu haben.

    Wie ist denn das mit der Stromversorgung in der Jacke gelöst, oder hab ich das überlesen?

  2. Jetzt muss ich mal ne blöde Frage zum D-Air Street stellen!

    Also ich stell mir gerade folgende Situation vor: Du stehst neben deinem Mopped und hast das Ding kurz warmlaufen lassen, weil es gleich losgehen soll. Kurzer plausch mit dem Kumpel wo´s langgeht. Das übliche… Nun fällt aber aus unerfindlichen Gründen dein Motorrad um. Kann ja mal vorkommen. Sagen wir einfach so ein Rentner-Rowdy mit Rollator ist wegen überhöhter Geschwindigkeit und schlechten Sichtverhältnissen bei 25 Dioptrin ungebremst reingerauscht. Rumms – Moped umgefallen! Und POOF! Stehst du da wie ein Michelinmännchen! Oder Greift das System wenigstens auf Fahrdaten zu damit im Stand nichts passiert?

  3. Pingback: ATGATT — Protektorenrant und -review | moppedfahren

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