Andere Moppeds, Fotos, Unterwegs
Kommentare 4

Double O Zero – Dirtfinger

London Mainz, Deutschland. Der Nebel durch den wir an diesem Morgen fuhren erinnerte mich doch stark an den dichten kalten Schleier, wie er um diese Jahreszeit auch über der Westminster Bridge liegt und durch den ich schon so oft gefahren bin, wenn ich mal wieder zum Rapport in’s Yard zitiert wurde. Ämm hatte kurzfristig ein zweites Treffen aller MI6 Agenten mit Doppel Null Status einberaumt. Die Mission: Testen des aktuellen Fuhrparks.

Die Ausrüstung war bereits vor Ort, als 001 und ich überpünktlich am Hotelparkplatz ankamen. Wir hatten uns dafür entschieden uns als Blogger, oder auch Netzjournalisten, wie dieses Gesindel doch tatsächlich von manchen genannt wird, auszugeben, um so in aller Ruhe agieren zu können und trotz unseres sonderbaren Auftretens bei den arabischen Geschäftsleuten, den Playboys und Femme Fatales keinen weiteren Verdacht erwecken würden. Wir standen gerade am Schalter zur “Akkreditierung”, da tauchte auch schon 002 auf. Nachdem er sich darüber ausgelassen hatte, wie sehr ihm Landstraße und Nebel den Schnitt versaut hätten, widmeten wir uns erst einmal dem Frühstück.

Zwei Corned Beef Bagel und ein schwarzer Tee. Rückblickend muss ich zugeben, dass es vielleicht etwas leichtsinnig von mir war, diese offenkundig englische Kombination als Frühstück gewählt zu haben, aber das laute Lachen vom Tisch der drei Doppel Null Agenten im sonst morgendlich leisen Hotel und die Ankündigung, man würde, da man das als richtiger Journalist™ nunmal so macht, sich erst einmal auf einen Whiskey an die Bar begeben, kaschierten diesen Fauxpas. Dass die Bar noch gar nicht geöffnet hatte, bemerkte zum Glück niemand.

003 war, wie ich nach dem Briefing erfuhr, am Vorabend mit den Handlangern des Yia Mas Kartells, der skrupellosesten Verbrecherorganisation ganz Griechenlands aneinander geraten, was der Grund für seine Verspätung war. Sie hatten ihm übel mitgespielt. Jetzt, da er aber da war und auch 004 kurz vor der Abfahrt noch aus dem Taxi stieg, konnten wir loslegen!

Gefahren:

NC700X/S – Der Einkaufskorb ihrer Majestät

Ich musste ein wenig schmunzeln und erinnerte mich an den Auftrag in Südostasien, Anfang des Jahres. Die Aktion in Wai Barsu Burunn gipfelte damals in einer wilden Verfolgungsjagd auf zwei NC700S durch den verregneten Spessart, bei der ich versuchte dem wahnsinnigen Dr. Equal auf den Fersen zu bleiben, was mir leider nur mäßig gelang.

Doch zurück in die Gegenwart. Die NC wollte ich ein weiteres Mal fahren, da ich es in Betracht gezogen habe, mir eine für den außerdienstlichen Einsatz zu zulegen. Die Aussicht moderne Reifen fahren zu können, ein Fahrwerk zu haben, was diesen Namen auch verdient, gescheite Bremsen, niedrigen Verbrauch und einen als Tank getarnten Stauraum zu haben, in dem der gesamte Wocheneinkauf ihrer Majestät, inklusive Hutschachtel, Gin und Corgifutter Platz finden würde, ist ebenso verlockend, wie der Preis.

Beim dynamischen Blechhindernisparcour im zähflüssigen Mainzer Innenstadtverkehr fiel mir dann auch gleich wieder auf, was ich an der NC neben ihren praktischen Fähigkeiten noch so schätze: Das herrlich unkomplizierte Fahren. Keine Herzrhythmusstörungen aufgrund einer Motorleistungsbedingten Überdosis Adrenalin, keine Origamifalthaltung. Man setzt sich einfach drauf und fährt.

Der langhubige Reihenzweizylinder bröbbelt im Stand leise, beinahe etwas dieselmäßig vor sich hin, quittiert einen kurzen Gasstoß mit einem dezenten, aber bassigen “woof” und hat untenrum genug Mojo für einen kurzen Sprint, wenn beispielsweise einer der Autofahrer beim Anblick der grünen Ampel wiederholt in einen katatonischen Zustand verfallen ist. Man zupft einfach mal am Gasseil und schlängelt sich behände vorbei.

Fazit: Mit der NC hat Kju einen echten Working Class Hero auf die Räder gestellt, mit dem man, trotz seiner Praktikabilität, auch richtig Spaß haben kann!

Crossrunner Special Edition – Under… statement?

Understatement. Einer der wichtigsten Charakterzüge, die man als treuer Diener der Krone Englands mitbringen sollte und den nur wenige besitzen. Einer der über diese Eigenschaft mit ziemlicher Sicherheit nicht verfügt, ist der Crossrunner in der Special Edition.

Als ich den Crossrunner, die normale Version, das erste mal gefahren bin, wunderte ich mich noch, wieviel Sake der Designer wohl intus hatte, als er die Lenkerarmatur entwarf. Über der oberen Gabelbrücke, zwischen den Amren des hohen, mit Plastik verkleideten Lenkers klaffte ein großes Loch. Diesem hat man nun versucht, mit Raisern von SW-Motech und einem Lenker von LSL etwas von seiner Reisweininduzierten Uneleganz zu nehmen, was eigentlich auch ganz gut gelungen ist.

Da man schon mal vor Ort war, bediente man sich gleich noch aus einem anderen Regal der Firma SW-Motech und schraubte ein Paar breitere und höhenverstellbare (Originalhöhe oder 15mm niedriger) Fußrasten an den Crossrunner, was aber an der eigentlichen Sitzhaltung nicht wirklich viel ändert: Obenrum Tourer, untenrum Sportler. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas willkürlich, passt aber perfekt zum Charakter der Maschine!

Komplettiert wird das Spezielle an der Special Edition durch einen Hyperflow Schalldämpfer von IXIL. Ein Schalldämpfer, der alleine schon durch seine geradezu lächerlich kurzen Doppelrohre jedweden Versuch vornehmer Zurückhaltung ad absurdum führt. Und das im Stand. Startet man den 800 Kubik VTEC V4, wäre spätestens jetzt jede auch noch so gute Tarnung aufgeflogen. Es bollert und dröhnt, verstärkt durch die hohen Wände des Hotelinnenhofs, dass es einem schon beinahe peinlich ist, Gas zu geben. Zum Glück hatte ich noch das schwarze Visier am Helm. Visor down, Redneck Mode!

Fazit: Unterstatement? ME ARSE! Der Crossrunner in der Special Edition ist der Prolet unter den Spionen, mehr CIA denn MI6. Aber ich muss gestehen, das hatte durchaus auch mal seinen Reiz. Und egal ob Special Edition oder nicht, mit dem Crossrunner kann man es schon ganz gut krachen lassen.

VFR1200X Crosstourer – Liebesbriefe nach Moskau

Ein Testgelände, getarnt als großer Bauplatz neben einem Speditionsgebäude. Clever, clever! Und das perfekte Terrain, um die Geländefähigkeiten der Probanden zu testen.

Der erste Kandidat, der ran musste, war der Crosstourer, der alte Poser. Er ist, man kann es nicht anders sagen, ein zweirädriges SUV. Und auch wenn er natürlich eben diesen Bonus hat, ein Motorrad zu sein, hat er mit der zurückgebliebenen vierrädrigen Verwandtschaft eines doch gemeinsam: Er sieht nach mehr Gelände aus, als er in Wirklichkeit kann.

Nach ein paar Runden auf grobem Schotter, Erde und Matsch, ein paar Schmierern des Hinterrads, die von der Traktionskontrolle recht souverän wieder eingefangen wurden sagt einem der Crosstourer: I’m terribly sorry to bother you, dear Sir, but this is not my Cup of Tea.

Das ist aber auch okay so, denn dafür ist er schlicht und ergreifend nicht gemacht. Ich könnte mir zwar vorstellen, dass man auf einem Crosstourer mit brutal groben Stollenreifen auch abseits asphaltierter oder geschotterter Wege noch eine gute Figur macht, aber wer den feisten Tourer (275 bzw. mit DCT 285 Kilo, mit Sprit, ohne Granaten) schonmal schiebend auf einem schmalen Forstweg wenden musste, weil selbiger zu Ende war, weiss, dass man das eigentlich gar nicht will. Außer vielleicht man ist Masochist. Nein, der 1200 Kubik V4 Tourer ist gebaut für Langstrecken und Reisen. Muss man z.B. kurzfristig nach Moskau, um dort den Postboten abzufangen, bevor er jene Martinigeschwängerten Liebesbriefe zustellt, die am Vorabend noch nach purer Poesie klangen, ist der Crosstourer genau das richtige Werkzeug dafür! Man thront über dem Geschehen, in völlig entspannter Sitzhaltung und könnte bei 130 hinter dem Windschild noch seine Pfeife stopfen.

Fazit: Keine Liebesbriefe Samstag, nach 24 Uhr! Aber im Ernst: Mit dem Crosstourer könnte ich mir durchaus vorstellen, ziemlich entspannt mal eben 1000 Kilometer am Stück abzureißen.

Außerdem ist die VFR1200X das Motorrad, wofür Honda das DCT, das automatisch geschaltete Doppelkupplungsgetriebe entwickelt hat. Zumindest für mich. Das DCT funktioniert in allen Honda Modellen, die man optional damit ordern kann (VFR1200F, NC700S/X, Integra) richtig gut, passt aber zu keinem Motorradcharakter besser, als zu dem des Crosstourers.

CFR250L – Dirtfinger

Ich hatte sie schon beim Frühstück beobachtet, wie sie verzweifelt versuchte möglichst unauffällig um das Buffet zu schleichen. Das blau/weiß karierte Dirndl zum Bersten gespannt, mit Schweißperlen auf der Stirn, über den dicken roten Backen, schaukelte sie auf ihrem voluminösem Kopf einen blonden Zopfkranz durch die Gegend. Die Rede ist von Tussi Folklore, Dirtfingers wohlgenährter rechter Hand.

Ich wunderte mich noch, was die feiste Furie wohl im Schilde führte, hatte aber einen kurzen Moment der Unachtsamkeit, als der mir ebenfalls äußerst suspekt wirkende Abklatsch eines Professors für Kernpyhsik neben mir einen Schwächeanfall simulierte und dabei übertrieben dramatisch zu Boden ging. Während dieses drittklassigen Laienschauspiels hatte sie es aber scheinbar tatsächlich geschafft, uns unter den müden wachen Augen der Agenten 001 und 002 etwas unter das Frühstück zu mischen, was ich allerdings zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wusste. Als ich aber wieder zu ihr sah, sah ich ein flüchtiges, selbstzufriedenes Grinsen über ihr Gesicht huschen, wie es das tut, wenn man sich sicher ist etwas zu wissen, was der andere nicht weiss.

Was sie wiederum offensichtlich nicht wusste, war, dass sich alle Doppel Null Agenten in regelmäßigen Abständen einer Immunisierung gegen Toxine jeglicher Art zu unterziehen haben, weshalb ihr heimtückischer Anschlagsversuch nicht den Exitus von drei der besten Agenten ganz Englands zur Folge hatte, sondern lediglich dafür sorgte, dass wir charakterlich von James Bond zu einer wunderlichen Mischung aus Rambo und Mr. Bean mutierten, was sich unglücklicherweise gerade zu dem Zeitpunkt manifestierte, als wir mit den schönen und bis dahin noch showroomsauberen 250ern an der Einfahrt des Testgeländes standen.

Was folgte sah ziemlich genau so aus:

Oder beinahe zumindest… Entfernt… Widmen wir uns doch lieber dem Abschneiden unseres Probanden:

Motor: Der von der CBR250 stammende kleine Thumper zieht mit seinen 23 PS freilich nicht das Corned Beef vom Bagel, macht aber trotzdem Spaß (von längeren Autobahnetappen mal abgesehen) und seine Laufkultur kann man wohl am treffendsten mit dem Wort beschreiben, das sonst im Kontext Enduro ehr nach Realitätsverweigerung oder krudem Scherz der Marketingabteilung klingt, mit vibrationsarm. Aber genau das ist er. Honda sagt, der Motor wurde an die Erfordernisse und den Charakter angepasst, den man von einer Enduro erwartet, wobei die Entwicklungsabteilung allerdings auf die für Einzylinder-Enduros sonst übliche Portion Baumaschinengene verzichtet hat, was ich nicht nur sehr angenehm finde, sondern was auch einfach besser zum Gesamtkonzept passt.

Gut gefallen hat mir auch das Getriebe. Denn anders als bei anderen Enduros, bei denen man das Gefühl hat, man säße auf einer Wettbewerbsmaschine, die von den Ingenieuren gerade so hingedengelt wurde, dass man sie für die Straße zugelassen bekommt (was in einigen Fällen wohl auch den Tatsachen entsprechen dürfte), soll die CRF ein unkompliziertes und handliches Alltagsfahrzeug sein, dem es eben auch egal ist, sollte plötzlich mal der Asphalt zu Ende sein. Dementsprechend fühlt sich das Getriebe sehr viel kultivierter, sehr viel präziser an, als man das von Enduros gewohnt ist.

Fahrwerk: Aprospos handlich. Dass man der CRF dieses Attribut zuschreiben kann dürfte eigentlich anhand der Zahlen schon klar sein. Was man im Datenblatt allerdings nicht sehen kann, ist wie stabil und präzise sie sich dabei handhaben lässt. Das Chassis macht einen so steifen Eindruck, dass man glatt meinen könnte, es sei Bediensteter des Königshauses und auch bei der härtesten Gangart, die unser Gelände zuließ, war ich wohl noch weit weg von dem, was das Fahrwerk tatsächlich ab kann.

Bremsen: Sind auch welche dran.

Fazit: Die CRF250L hat genau die richtige Balance zwischen Alltags- und Geländetauglichkeit. Man kann jeden Tag mit ihr zur Arbeit fahren, egal wie britisch das Wetter auch sein mag, weil man das kleine Leichtgweicht jederzeit problemlos abfangen kann. Oder man schnallt Zelt, Schlafsack und Isomatte hinten drauf, wirft ein paar Sandwiches und eine Thermosflasche mit Earl Grey in den Rucksack und lässt sich beim Endurowandern durch die Wälder des ehemaligen Klassenfeindendes treiben.

Gegen Ende des Tages schwang ich mich noch auf ein vermeintliches Fischerboot. „Zum Abschluss noch eine entspannte Touristenrunde über den Rhein schippern.“ dachte ich mir. Ein eindeutiger Fall von „Buch und Einband“, denn mit den beiden 90PS starken Honda Außenbordmotoren hatte das ganze ehr etwas von dem Einsatz einer Spezialeinheit, als einer entspannten Touristenrunde. Aber eigentlich war das auch ein viel passenderer Tagesabschluss als eine Butterfahrt.

4 Kommentare

    • Danke! Freut mich, wenn er doch einigermaßen was taugt. Ich habe da so oft dran rumgeschustert, dass ich ihn gegen Ende hin echt nicht mehr sehen konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.