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Honda Power of Dreams Testtage 2011

Mein Wecker stand auf sieben Uhr. Eigentlich unnötig früh, brauche ich bis zur Honda Akademie doch gerade mal eine viertel Stunde. Ich wollte an diesem Wochenende aber nichts dem Zufall überlassen, denn es stand nicht nur das Probefahren der Modellneuheiten 2011 bei Honda auf dem Programm, nein, es ging von Erlensee aus direkt weiter nach Stuttgart, wo wir uns am nächsten Tag von Lothar Schauer zeigen lassen wollten, wie man einen Wheelie fährt, wenn man denn weiß, wie es richtig geht.

Um kurz vor Sieben schaltete ich den Wecker aus. Ein seltenes Phänomen, dass ich ihn nicht brauche, aber die Vorfreude trieb mich scheinbar aus den Federn. Ich nutzte den zusätzlichen Puffer für ausgedehntes Frühstück. Gut gestärkt und mit einigen Darjeeling intus packte ich Ausrüstung ein, schnallte meinen Bandit Helm an den Gepäckträger und brummte los. Eine viertel Stunde später rollte ich auch schon mit der CX auf den Parkplatz.

Bereits auf dem Weg zum Eingang sah ich einige mir bekannte Maschinen, deren Fahrer ich kurz darauf an der Rezeption traf. Eine einzige große Hallo Runde. Schön alle mal wieder zu sehen! :)

Nachdem ich die Akkreditierung in der Tasche hatte, konnte es endlich losgehen.

CBR250R

Ich war von der neuen Zweihundertfünfziger bei ihrer Präsentation schon total begeistert. Endlich baut mal wieder jemand eine einfache, handliche Alltagsmaschine! Und dann auch noch mit serienmäßigem Combined ABS! (Was ich zwar nicht gebraucht hätte, für viele aber eventuell ein Kaufgrund ist?) Ich war natürlich neugierig darauf, ob die Vorstellungen, die ich von der Maschine hatte sich bewahrheiten würden und so sollte mein erstes Testobjekt die CBR250R sein.

Ich schnappte mir den Schlüssel und eine Kartenmappe, auf der eine lange und eine kurze Route aufgezeichnet waren, stimmte mich mit Ralf, Moritz und dem Griesgram ab und unser kleiner Testconvoi zog los.

Wir hatten uns entschieden, keine der eingezeichneten Routen zu nehmen, sondern einfach mal ein paar uns bekannte Strecken abzufahren. Dazu mussten wir allerdings erst einmal ein paar Kilometer Autobahn über uns ergehen lassen. Ralf und der Griesgram zogen auf ihren Satte Liter Schüsseln (CB1000R und CBR1000R) Moritz und mir auf den beiden CBR250R natürlich gnadenlos davon, aber als der Motor einigermaßen Betriebstemperatur erreicht hatte, gab ich Kitt und testete die Höchstgeschwindigkeit. Flach hinter dem Windschild zusammengefaltet schaffte die CBR 170km/h und hatte noch ein wenig Luft, bis auf dem Drehzahlmesser der rote Bereich anfing. Es spricht also auch nichts dagegen, sollte man es mal eiliger haben, eine Weile Dauervollgas zu fahren.

Endlich wieder herunten von dieser zugegebenermaßen praktischen, aber furchtbar langweiligen Erfindung Autobahn schlängelten wir uns eine kleine kurvige Strecke entlang, wo sich die Handlichkeit der 250er gut testen ließ. Absolut einwandfrei! Es macht wirklich Spaß mit der Kleinen durch die Kurven zu räubern! Hatte ich ehrlich gesagt aber auch nicht anders erwartet! ;)

Auf meinem Rückweg testete ich auf einer Geraden noch kurz das ABS und wahr sehr überrascht, wie sanft so ein modernes Bremssystem doch arbeitet. Bevor ich mich letztlich zurück auf den Weg zur Basis machte, legte ich noch einen kleinen Zwischenstopp an der Burg Alzenau ein um ein paar Fotos zu schießen.

Zurück in der Honda Akademie, als ich die CBR gerade abgestellt hatte, sah ich, dass Marc und Stephan mittlerweile auch schon angekommen waren. Damit war die Wheelie Truppe zu 50% vollständig. Die andere Hälfte würden wir in Stuttgart treffen. :)

Es war sehr klug von Honda die CBR250R nur in dieser „farbenfrohen“ Lackierung zur Verfügung gestellt zu haben. Wäre sie schwarz gewesen, hätte es durchaus passieren können, dass am Ende der Veranstaltung eine gefehlt hätte. ;)

Goldwing

Als ich von der Rezeption kam, den Schlüssel für die Goldwing in der Hand, war der Parkplatz so gut wie leer. Es standen, außer meinem Koloss, nur noch die Roller der kleineren Hubraumklassen herum. Vierhundertziebzehn Kilo Stahl, Aluminium und Plastik flößten wohl doch Respekt ein. Entweder das, oder die Leute hatten  die gleiche Vorstellung davon, wie sich so ein Motorrad fahren lässt, wie ich sie hatte.

Ich verstaute meine Kartenmappe im Kofferraum – schließlich hatte ich ein Navi – und nahm Platz. Knöpfe zu meiner Rechten, Knöpfe zu meiner Linken. Nach der doch nötigen Einweisung in das Gefährt schloss ich mein iPhone an die Stereoanlage und rollte mit Ironman von Black Sabbath vom Hof. – Wie passend!

Ich fuhr einfach der Nase nach. Zuerst durch eine kleine Ortschaft, mit engen Gassen, dann ein Stück über Land und anschließend auf die Autobahn. Bei einem kurzen Test der Höchstgeschwindigkeit stellte ich fest, dass die Goldwing ähnlich sensibel wird, wie meine Güllepumpe. Liegt wohl am Verhältnis Steifigkeit der Gabel zu Gewicht. Aber wer fährt schon dauerhaft Höchstgeschwindigkeit mit so einem Motorrad? Viel angenehmer ist es da doch, bei 160 den Tempomat zu aktivieren, ganz gemütlich dahin zu gleiten und sich von der Hifi Anlage beschallen zu lassen.

Als ich der Meinung war, die Autobahntauglichkeit meines Luxusliners zur Genüge getestet zu haben, fuhr ich von der Autobahn ab und nahm wieder ein paar Kilometer Landstraße unter die Räder. Erstaunt darüber, wie brauchbar die Schräglagenfreiheit der GL doch ist, beschloss ich meine Testfahrt zu beenden und mich vom Navi zurück zur Honda Akademie dirigieren zu lassen. Und hier habe ich wirklich mal etwas zu kritisieren. Das Navi ist murks! Es wirkt antiquiert und ist unglaublich langsam. Kein Vergleich zu z.B. einem aktuellen Navigon, wo man in einer hübschen Grafik eindeutig angezeigt bekommt, welche Spur man zu nehmen hat. Und sollte man tatsächlich mal an einem Wegpunkt vorbeigefahren sein, dauert es für meinen Geschmack einfach viel zu lange, bis eine alternative Route zur Verfügung steht. Da hätte die Goldwing wirklich etwas besseres verdient!

Aber das ist lediglich ein kleiner Wehrmutstropfen. Marc und Dennis konnten den Watz letztes Jahr bereits Probe fahren, weshalb ich in der Theorie schon wusste, was mich erwarten würde. Überrascht hat mich die Goldwing dennoch. Schub aus dem tiefsten Keller, einfaches Handling und einem unvergleichlichen Komfort, der mir beim Schreiben des Artikels hier wohl noch nachhing. :)

„Ich liebe die Bequemlichkeit und finde es äußerst mühsam, geistreich sein zu müssen.“

– Molière, Die gelehrten Frauen

Rancher (ATV)

Leider verpasste ich durch meinen Ausritt auf der Goldwing die Präsentation vom Asimo. Schade, hätte ich gerne gesehen. Und die Crossrunner waren auch alle noch unterwegs. Kaum kam mal wieder eine auf den Hof gerollt, war sie auch schon wieder weg.

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen habe ich mit Micha zusammen mal ein paar Runden auf den ATVs gedreht. Mit Lenker, dafür ohne Schräglage fühlte sich das Fahren auf dem kleinen Nutzfahrzeug fast ein wenig an wie Gespann fahren und ließ, wenn man nur mit Heckantrieb unterwegs war, auch ein paar spaßige Drifts zu. :)

Womit ich allerdings ein wenig meine Mühe hatte, war das Daumengas. Denn anders als beim Motorrad, bei dem man durch Drehen des rechten Griffs fossile Brennstoffe in Endorphine umwandelt, funktioniert das bei einem ATV mit einem kleinen Hebel, den man mit dem Daumen der rechten Hand bedient. Mir fehlt da wohl ein wenig die Feinmotorik eines Försters. Binärgas.

HF2417 (Rasentraktor)

Da auch nach unserer ATV-Aktion noch immer kein Crossrunner abzugreifen war, lieferte ich mir noch ein heisses Rasentraktorduell mit Mike. Die erste Runde versiebte ich leider, da ich im Eifer des Gefechts auf dem Rückweg nicht Slalom um die Hütchen fuhr, sondern ganz nonchalant abkürzte. Zu recht auf einer Revange bestehend, brannte ich ihn in der zweiten Runde aber so richtig her! :D – Hätte er nicht eine Hand im Gips gehabt, wäre ich allerdings wohl der Hergebrannte gewesen, denn er war auch einhändig noch verdammt schnell! :)

Crosrunner

YES! Endlich! – Es war schon relativ spät, aber ich hatte es tatsächlich noch geschafft den Schlüssel für einen Crossrunner zu ergattern! Zusammen mit Micha auf einer CBR600F nahm ich die gleiche Strecke in Angriff, wie wir sie auch gefahren sind, als ich mit der Zweihunderfünfziger unterwegs war. Also erst ein paar Kilometar Autobahn, dann Landstraße.

Da ich Jochen die Maschine förmlich unter dem Hintern weggeschnappt hatte, musste ich bei unserer Autobahnetappe nicht mehr darauf achten, den Motor warm zu fahren und konnte gleich mal etwas kräftiger am Gasseil zupfen. Macht man das, wird man feststellen, dass man ziemlich schnell ziemlich schnell wird! Und dann freut man sich nicht nur über die guten Bremsen, sondern auch über das Windschild, das einen ein wenig entlastet. Ab 180 stellte sich bei mir allerdings ein ziemlich nerviges Kopfpendeln ein. Als wir gegen Ende der Veranstaltung alle zusammen saßen, stellten wir fest, dass Prof. Dr. Gleich bei ähnlicher Größe und Statur nicht mit diesem Problem zu kämpfen hatte, was uns zu dem Schluss brachte, dass es wohl an meinem Helm gelegen haben muss.

Auch auf der Landstraße schlug sich der Crossrunner gut! War mir die Position der Fußrasten am Anfang noch etwas zu sportlich, war sie beim Kurvenräubern auf den kleinen gewundenen Sträßchen genau richtig!

Kurz und bündig: Toller Motor. Tolles Fahrwerk. Tolle Bremsen. – Tolles Mopped!

Der erste Teil eines grandiosen Wochenendes neigte sich dem Ende zu und als wir uns von den anderen verabschiedet hatten, brachen Marc, Stephan, Micha und ich auf Richtung Süden, zum lang ersehnten Wheelie Training. Dazu aber mehr im nächsten Blogeintrag! :)

4 Kommentare

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  2. Jürgen Beger sagt

    Betr. Test CBR250R von Alexander am 7.juni 2011

    Wie kommt Alexander auf 170km/h?

    Ich fahre die 250R seit 2 Monaten und komme mit viel Glück und etwas Rückenwind gerademal auf 150km/h. Seinen Trick hätte ich gerne.

    Vielen Dank,

    Jürgen

    • @Jürgen: Trick… Einen Trick hatte ich nicht. Ich habe mich einfach ganz klein hinter dem Windschild zusammengefaltet und die Drosselklappe auf Durchzug gestellt.

      Der Kollege Griesgram hatte die CBR auch auf 170.

  3. Dieter-K sagt

    Honda schafft es immer wieder, optisch reizvolle Langeweiler für Anfänger auf die Beine zu stellen.
    Sportliche 250er liefen vor 35 Jahren schon mit gefaltetem Fahrer und ohne Verkleidung 160km/h. Der Tacho log dann was um 170.

    Sitzt du auf einer Honda, weißt du nicht, welche es ist. Alle sind weitgehend gleich, ergonomisch perfekt, in der Leistungsentfaltung aber unspektakulär und damit anfängerfreundlich. Temperament ist was Anderes, wie eine Geliebte über 70.

    Besitze eine CBR125R für die Stadt, eine CB400N für meine Frau und eine Kawa ZX10R Bj. 2005. Besaß eine CB550F, eine CBR1000R und weiß, dass meine Eindrücke keine Momentaufnahme sind.

    Dieter-K

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