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Neues Mopped und Touratech Travel Event

Seit Ende letzten Jahres war ich schon auf der Suche nach einer Tourenmaschine. Ich hörte mich im Freundes- und Bekanntenkreis um und durchforstete die einschlägigen Online-Plattformen, aber es ergab sich nichts. Entweder hatten die Maschinen zu viele Kilometer drauf, waren zu teuer, zu verbastelt, zu verranzt oder alles auf einmal.

Am Samstag vor einer Woche stieß ich in mobile.de dann zufällig auf eine Honda CX500. Sie war Baujahr 83, hatte knapp über 42000km auf der Uhr, war (quasi) aus erster Hand, hatte noch relativ neue Reifen und einen Koffersatz mit dabei. Eigentlich suchte ich ja, nachdem ich ein paar Mal mit der Trölfschen Ténéré durch die Gegend bollern durfte, eine Reiseenduro und kein Utensil zur Fäkaltankentleerung, aber die Maschine hatte einen gewissen Charme. Außerdem sind die CX500 Motoren bekanntermaßen sehr robust und mit dem Kardanantrieb bestens zum Touren geeignet. Nachdem ich mich in einigen Foren und auf Fanseiten über die Technik und eventuelle Schwachstellen informiert hatte, rief ich den Verkäufer an und machte noch für den gleichen Tag einen Besichtigungstermin aus.

Eigentlich eine Vollverkleidung, hier nur halb.

Eigentlich eine Vollverkleidung. Als Halbschale nur halb so schlimm.

Mit einem Wochenendticket gondelte ich fast 5 Stunden mit dem Zug durch die Republik nach Höxter, wo die Maschine stand. Natürlich hatten drei der fünf Züge mit denen ich fuhr Verspätung. Mit erstaunlich geringen 15 Minuten Rückstand kam ich in Höxter an und begab mich erst einmal auf die Suche nach einer Telefonzelle, da der Akku meines Telefons unterwegs die Grätsche gemacht hatte. Die erste stand auch direkt am Bahnhof. Defekt, selbstverständlich. Ich irrte im Regen durch den Innenstadtbereich, der wegen der WM Spiele quasi leergefegt war. Eigentlich ein schönes Städtchen. Auf der anderen Weserseite fand ich eine der alten, gelben Münztelefonzellen der Post und ich konnte endlich den Verkäufer anrufen, der mir netterweise angeboten hatte mich vom Bahnhof abzuholen. Die Telefonzelle stand etwas versteckt in einer Allee am Ufer. Auf dem Weg dahin wurde ich noch von zwei Besoffenen angepöbelt, die sich mit einem Kasten Bier auf der Parkbank einen schönen Tag machten. Was man so alles sieht und erlebt, wenn das Handy mal leer ist, das ist schon toll! Es dauerte nicht lange und meine Mitfahrgelegenheit tauchte auf. Von da an ging alles ziemlich schnell. Angeschaut, Probe gefahren, gekauft und wieder zurück nach Hause.

Moin!

Ihren ersten größeren Einsatz hatte die Güllepumpe am vergangenen Freitag. Da sind Hr. Trölf und meine Wenigkeit nämlich zum Touratech Travel Event in den Schwarzwald gefahren. Für das komplette Wochenende war Regen vorhergesagt und so stellten wir uns darauf ein, die gesamte Strecke auf der Autobahn verplempern zu müssen. Als der Freitag Morgen aber mit strahlendem Sonnenschein begann, beschlossen wir, so lange das so bleiben würde, die Landstraße zu nehmen. Und da es den ganzen Tag so blieb, blieben wir auch (bis auf ~20km um Stuttgart herum) die ganze Fahrt über auf der Landstraße. Und die Entscheidung war absolut richtig! Die Strecke am Neckar entlang ist so schön zu fahren und anzuschauen, es wäre wirklich schade gewesen stattdessen auf der Autobahn zu versauern.

Die Fahrt war also sehr gechillt. Der einzige etwas aufreibende Moment war der, als ich ein Geräusch hörte das für mich wie das Zischen einer Erdgastankstelle klang. Ihr kennt das vielleicht. Wenn die „Zapfpistole“ bei einem Erdgasfahrzeug wieder abgezogen wird, gibt es nochmal so ein „pfft“. Und genau so klang dieses Geräusch. Wir fuhren gerade durch ein Industriegebiet und so dachte ich mir nichts weiter dabei. Als ich ein paar Meter weiter dann allerdings in den Rückspiegel schaute sah ich, woher das Geräusch wirklich gekommen war. Auf dem Mittelstreifen lang mein rechter Koffer. Also schnell drehen und schauen was kaputt ist. Erfreulicherweise gar nichts. Er hat, dafür dass er mit fast 100 Sachen über den Asphalt gerutscht ist, nichtmal wirklich viele Kratzer. Tolle Sache, so ein Koffer! Scheinbar ist die Arretierung doch schon etwas ausgelutscht und so fixierte ich ihn mit einem der Spanngummis mit denen ich das Zelt festgeschnallt hatte.

Noch ein Pluspunkt für die Landstraße. Die Nummer wäre auf einer vollen Autobahn wahrscheinlich nicht so glimpflich abgelaufen. Beim nächsten Baumarkt kaufte ich zwei Zurrgurte (in Fahrzeugfarbe, wie dem Herrn Trölf gleich auffiel) und alles war wieder in Ordnung.

Bei mir zumindest. Patricks Maschine fing ~40 km vor dem Ziel plötzlich an beim Abtouren ziemlich heftig aus dem Auspuff zu pötten. Wir fuhren in eine Parkbucht und die Ténéré wurde begutachtet. Schuld an der Knallerei war ein Riss im Krümmer, direkt vorne am Flansch. Da war so auf die Schnelle nichts zu machen, es musste die restliche Strecke einfach so gehen.

Tja, irgendwann waren wir dann auch da, in Niedereschach. Nach einer Runde über den Campingplatz fanden wir eine nette Stelle um unsere Zelte aufzuschlagen. Als die mobilen Unterkünfte standen peilten wir erst einmal den Essens- und Getränkestand an, das war mittlerweile bitter nötig! Die Verpflegung war toll organisiert. Abhängig von der Uhrzeit gab es den ganzen Tag über verschiedene große und kleine Mahlzeiten und auch wenn über 90% der Moppeds auf dem Gelände aus dem hochpreisigen Segment stammten, waren die Preise für Essen und Getränke wirklich fair!

Wir saßen also gerade da bei Grillgut und Bier, als jemand auf uns zu kam und mich mit eindeutiger Geste begrüßte. Es war Jochen von moto1203.

Da die ganze Motorradbloggermischpoke auch sonst im Sohschel Miehdia unterwegs ist, wussten wir vorher schon, dass wir uns hier über den Weg laufen würden. Ein kurzer Telefonanruf von Patrick hat dem Zufall noch etwas auf die Sprünge geholfen.

Wir müssen ganz schön lange da gehockt und gequatscht haben, denn nachdem Jochen zurück in’s Hotel gefahren war wurde es ziemlich schnell dunkel und die Vorträge unter dem großen Zeltdach begannen.

Auf einen Vortrag waren wir, da wir in zwei, maximal drei Jahren die gleiche Tour fahren wollen, ganz besonders gespannt: „Via Mediterra“ von Dirk Schäfer.

In seinem lustig kommentierten, von Live Gitarren Musik untermalten Vortrag zeigte er fantastische Bilder und Videoausschnitte seiner Reise rund um das Mittelmeer. Absolut großartig! Nach einem Gute Nacht Bier und einer leckeren Gulaschsuppe war Feierabend.

Als ich am Samstag aufwachte prasselte Regen auf das Zelt. Jetzt hatte der Wetterbericht doch noch Recht behalten. Mist. Eigentlich kam zwar schon genug Wasser von oben, da das allerdings ziemlich frisch war zog ich eine fest installierte Dusche der Freiluftdusche vor. Aber wo sind die eigentlich? Gut, dass ich mir den Lageplan als PDF auf’s Telefon gezogen habe. Ich schlupfte in meine Regenstulpen und stapfte los. Scheinbar haben auch die harten Enduristen keine besondere Affinität zum Regen, es waren kaum Leute unterwegs.

Die Duschen waren wirklich gut versteckt. Es ging durch die hauseigene Wirtschaft auf den Touratech Shop zu, vor dessen verschlossener Tür 90° nach links und hinter der zweiten Tür, auf der unter anderem das Symbol für das Damen-WC abgebildet war, fand ich sie schließlich. Frisch und sauber ging ich zum Frühstücksbuffet. Ein Müsli, eine riesige Portion Rührei und ein Brötchen, das sollte erstmal eine Weile reichen.

Zurück bei den Zelten war dann auch Patrick wach. Nach seinem obligatorischen Kaffee- und Kippenfrühstück statteten wir dem zweite Wahl Shop einen Besuch ab. Da drin ging es zu wie beim Sommerschlußverkauf. Dicht gedrängt schob sich die Masse aus Endurofahrern durch das kleine Gebäude und ich war froh, als ich nach einem Durchgang wieder draußen war.

Als wir auf unserer Runde wieder am Campingplatz vorbeikamen trafen wir Max, eigentlich SR-Fahrer (heute allerdings mit seiner BMW angereist) und auch ein Bekannter aus dem Bloggerdunstkreis.

Nun zu dritt gingen wir zur Werkstatt der GS-Challange, um uns zu erkundigen, ob man dort nicht schnell mal eine kleine Schweißnaht auf den Krümmer der Ténéré zaubern könnte. Die enttäuschende Antwort: Nö. Es war zwar lediglich eine Maschine auf der Hebebühne, aber „es könnten ja jederzeit weitere Maschinen kommen“. Da hatte wohl jemand keinen Bock.

Brunos Kawasaki

Brunos Kawasaki

Während Max sich im Shop umsah, schauten wir uns einen weiteren Vortrag an: „Eispassage“ von Bruno Pillitteri.

Bruno ist mit einem Freund zusammen im Winter über Litauen, Estland, entlang der russischen Grenze in die Masuren gefahren um dort das alte Bauernhaus zu suchen, in dem sein Großvater aufgewachsen ist.

Auch der Vortrag war wieder sehr unterhaltsam und die Bilder mit Motorrädern im Schnee eben mal etwas ganz anderes, als die üblichen Wüstendurchquerungen.

Es regnete noch immer und so beschlossen Hr. Trölf und ich bei einer Pizza, dass wir eigentlich alles Sehenswerte gesehen hatten und es an der Zeit war den Rückweg anzutreten.

Als wir begannen die Zelte abzubauen, hörte es auf zu regnen und die Sonne quälte sich durch die Wolken. Prima, trockene Heimreise! Mit der Sonne tauchten auch Jochen und Max auf und wir konnten uns von den beiden noch verabschieden.

Erkenntnisse unseres Kurztrips:

Die Güllepumpe ist super! Ich war direkt nach dem Kauf etwas unsicher, ob sie nicht einfach nur ein Frustkauf war, weil ich keine vernünftige Reiseenduro gefunden habe, aber mittlerweile hab‘ ich die Gülle richtig gern.

Das Touratech Travel Event ist eine nette Veranstaltung. Entspannte Atmosphäre, tolle Organisation und richtig schöne Vorträge! Nur in Sachen Bier haben sie noch Nachholbedarf…

Mein Zelt ist undicht.

7 Kommentare

  1. Rate mal, warum ich meine Koffer an der XJ immer mit Spanngurten sichere. Mir ist das zwar noch nie passiert, aber meine alten Koffer waren von Anfang an auch ziemlich wackelig… gut, dass dein Koffer heil geblieben ist, das olle Hartplastik kann echt was ab. :-)

    Wäre ja auch gerne auf die Veranstaltung gekommen, aber nochmal 1.300 Kilometer an einem Wochenende, das war mir einfach einen Tick zu viel… war ja erst kürzlich im Schwarzwald und bevor ich wieder solche Gewalttouren mache, werde ich erstmal die Sitzbank neu polstern lassen. Die Endurositzbank ist einfach für sowas nicht gemacht…

  2. Wobei mir übrigens gerade noch auffällt: Ich glaube du hast dieselben Koffer an der Gülle wie ich an meiner XJ (Schuh). Das erklärt einiges. ;)

  3. Na da bin ich ja froh, dass nicht nur mir sowas mitm Koffer passiert. Bei mir hats aber das nagelneue TopCase am uralten Halter nicht gehalten. Am neuen Halter passts, aber dennoch hatte ich immer noch ne Reißleine dran. Aber nachdem das TC 2000km später immer noch bombenfest saß und die Leine keine Spannung hatte, weiß ich, dass es auch wieder ohne geht, ganz wie sich der Hersteller das gedacht hat. :D

  4. @Marc: Das war auch das Erste, was ich zu der ganzen Sache zu sagen hatte: „Jetzt weiss ich, wieso Marc seine Koffer immer festschnallt!“ :)

    Ohnehin erstaunlich, welche Strecken du auf deinem Holzsitz fährst. :) Aber das Travel Event kann man sich wirklich anschauen. Vielleicht klappt’s ja nächstes Jahr.

    (Jup, sind von Schuh.)

  5. @Max: Meine Koffer bekommen jetzt einen massiven Edelstahlbeschlag, das sollte auch halten. :)

    (Ich werde sie aber trotzdem festzurren. Zum einen sind die Gurte ja jetzt da und zum anderen könnte es ja passieren, dass die Koffer zwar am Mopped halten, aber aufklappen, das braucht ja auch niemand… :))

  6. An dieser Stelle dann doch noch mal ein offizielles „Herzlichen Glückwunsch!“ zum neuen Mopped.

    Die CX500 erfreut sich seit einiger Zeit ja wieder wachsender Beliebtheit. Hast Du noch Umbauten an der Maschine vor oder bleibt sie so, quasi als Zweitmotorrad für die längeren Touren?

  7. @Dennis: Danke! :)

    Genau, soll mein Tourenmopped sein. Diese riesige Verkleidung, wie man sie auf den Fotos oben sieht habe ich mittlerweile schon ab- und die originale Lampenmaske wieder angebaut. Jetzt werden nur noch ein paar Macken entfernt und dann passt alles. Andere Umbauten habe ich eigentlich nicht vor. (OK, der labilen Kofferhalterung wird noch zu Leibe gerückt… ;))

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