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Honda Power of Dreams Testtage 2010

In meinem Blogeintrag vom Odenwaldbollern 04.10 erwähnte ich es bereits: Honda hat zur Präsentation der Neuheiten 2010 eingeladen. Diese Tatsache als solche wäre eigentlich nicht sonderlich erwähnenswert, das wird schließlich jedes Jahr so gehandhabt. Doch dieses Mal waren nicht nur die Vertreter der „klassischen Presse“, sondern auch einige Blogger eingeladen. Ausgewählt unsere Zunft zu vertreten waren (unter anderem) Dennis und Marc. Während der Veranstaltung hielten sie uns per Twitter auf dem Laufenden und ihre Blogeinträge bestätigten das, was aus den Tweets schon als Unterton mitschwang: Es war ein tolles Event.

So habe ich mich riesig gefreut, als ich einen Anruf von Aaron Lang (PR Referent für Motorräder bei Honda) bekam, der mich fragte, ob ich nicht Lust hätte am 12. Mai in die Honda Akademie in Erlensee zu kommen und ein paar funkelnagelneue Hondas durch die Gegend zu scheuchen. Na und ob ich das hatte!

Per Twitter erfuhr ich, dass auch Ernie und Bert, aka Patrick und Boris eingeladen waren. Das hatte ich bereits vermutet. Wir schlossen uns kurz, wie wir die ganze Sache angehen wollten. Vorher treffen und gemeinsam mit den Moppeds hinfahren? Vielleicht sogar mit CY, Dax und Monkey? Das würde schließlich gut passen. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass es schon um 9 Uhr los ging, wir ohnehin den ganzen Tag Motorrad fahren würden, das Wetter nicht wirklich vertrauenerweckend war und es für die beiden ein ziemlich großer Umweg sein würde, erst noch bei mir vorbei zu kommen, fuhren wir getrennt mit den Autos.

Unser Timing war perfekt. Die beiden sind gerade aus dem Auto ausgestiegen, als ich an ihnen vorbeifuhr. Noch schnell einen Parkplatz gesucht und den beiden Hallo gesagt. Wir gingen vorbei an den ATVs mit Schneeschiebeaufsatz, weiter zum „Aufsitzrasenmäherdragstrip“, an den Power Equipment Geräten vorbei zum Eingang des modernen Gebäudes. Wir steuerten den Empfang an, als uns auch schon Aaron entgegenkam um uns zu begrüßen. Er erklärte uns den Ablauf, gab uns unsere Ausweise und die Zugangsdaten zum WLAN.

Ernie und Bert waren noch nicht so wirklich wach und brauchten erst einmal einen Kaffee, während ich schon ungeduldig auf der Sitzbank im Empfangsbereich herumrutschte. Na gut. Bei meinem Orientierungssinn ist es vermutlich besser, ich fahre nicht alleine los. Ausserdem hatte Honda so ein nobeles Willkommens Buffet aufgebaut, da wäre es förmlich unverschämt gewesen nicht wenigstens einen kleinen Happen genommen zu haben. Nach einer Cola, zwei Grillspießchen und einem Tweet hieß es aber dann endlich: Schlüssel abholen!

Eigentlich wollte ich mit dem Dicksten anfangen, was Honda an Motorrädern im Programm hat, der Goldwing. Leider ist die wohl am Vortag ausgefallen, so dass keine zur Verfügung stand. Sehr schade, das hätte ich gerne mal erlebt. Dann eben ein anderes Extrem, die CBR 1000 Fireblade.

Meine Testmoppeds in chronologischer Reihenfolge:

CBR 1000 Fireblade

Ich war schon ein wenig nervös, was mich da jetzt wohl erwarten würde. Schließlich würde ich gleich mit einem Motorrad unterwegs sein, was bei etwa gleichem Gewicht mehr als die sechseinhalbfache Leistung meiner kleinen Suzi hatte.

Ich nahm Platz und mein erster Gedanke war: Um Gottes Willen, ist das unbequem. Wie hat Dennis es bloß geschafft in dieser Haltung von Hamburg bis in’s Sauerland zu fahren?

Ich startete den Motor. Soweit eigentlich noch recht unspektakulär, so im Stand. Wir rollten los und noch auf dem Parkplatz die erste Überraschung: Die Fireblade fährt im ersten Gang im Standgas 20km/h. Langsamer geht nur mit gezogener Kupplung.

Wir fuhren vom Gelände und nahmen erst einmal ein Stück Landstraße unter die Räder, gefolgt von einer kleinen Ortschaft. Ich war sehr überrascht. Man kann die CBR tatsächlich auch ganz normal bewegen, ohne zu rasen. Es fühlt sich zwar irgendwie komisch an, geht aber.

 

Die Asphaltdecke in diesem Ort war vom Winter noch arg gebeutelt. Überall klafften Löcher in der Fahrbahn. Hier überraschte mich die CBR ein zweites Mal. Ich erwartete eine wilde Holperei wie in einer dieser rollenden Diskos, aber die Fireblade bügelte die Unebenheiten glatt, wie ich es nur von einem Tourer erwartet hätte.

Hr. Trölf ist der CBR hoffnungslos verfallen.

Hr. Trölf ist der CBR hoffnungslos verfallen.

Der Ortschaft folgte ein gerades und freies Stück Schnellstraße. Sehr gut, dachte ich, jetzt gibst du mal etwas Gas. Ich nahm eine windschnittigere Haltung ein, drehte am Gasgriff und hörte mich nur noch „Oh Gott, Oh Gott, Oh Gott“ in meinen Helm rufen. Meine Güte, geht das nach Vorne! Der Blick auf den Drehzahlmesser holte mich aber schnell wieder runter von meinem Höhenflug. Das eben waren gerade mal ~7000 von ~14000 möglichen U/Min. Der absolute Wahnsinn!

Fazit:

Spitzen Fahrwerk, tolles Handling und Leistung im Überfluss. Aber nichts für mich. Mir fehlt für so ein Geschoss die nötige Portion Selbstdisziplin.

honda2010tt_01

VT 1300 CX

„Ich hätte gerne mal die Schlüssel für die Fury.“ (Ich)

„Fury? Haben wir nicht!“ (Grinsender Honda Mitarbeiter)

Ich schaute nochmal nach draußen auf den Parkplatz, um mich zu vergewissern, dass das Motorrad auch wirklich da stand.

„Na, den blauen Chopper meine ich.“ (Ich, etwas verunsichert)

„Das ist die VT 1300 CX.“ (Noch breiter grinsender Mitarbeiter)

AHA! Bei der Vorstellung der Maschine in den USA im Jahr 2009 schnappte ich den Namen Fury in verschiedenen Blogs auf und ging davon aus, dass die Maschine bei uns auch so heissen würde. Tut sich aber nicht. Aus namensrechtlichen Gründen heisst sie bei uns (typisch Deutsch) VT 1300 CX.

honda2010tt_06Zurück auf dem Parkplatz machte ich erst einmal eine Sitzprobe. Eigentlich ganz bequem, auch die Armhaltung. Lediglich das Ankämpfen gegen die Schwerkraft, wenn man die Füße auf den breiten, weit nach vorne gestreckten Fußrasten plazieren wollte war etwas ungewohnt.

(Unterwegs, nach einem Stopp, ist es mir auch ab und zu passiert, dass ich mit den Beinen in der Luft herumruderte, verzweifelt auf der Suche nach den Fußrasten.)

Die Motorcharakteristik ist wirklich cool. Dieser großvolumige V2 mit seiner sonor blubbernden Auspuffanlage lässt keinen Zweifel aufkommen: Wir sind hier nicht zum Heizen, sondern zum Relaxen! Und das kam mir nach meinem Ritt auf der Fireblade gerade recht.

Sitzhaltung, Motor und Sound waren soweit ganz angenehm, aber wie würde sich dieses Custombike aus Serienproduktion wohl fahren?

Ups. Sorry!

Ups. Sorry!

Die Konstruktion „lang, breit und flach“ hat einen Vor- und einen Nachteil:

Vorteil: Durch die flache Bauform liegt der Schwerpunkt der Maschine sehr niedrig. So war ich echt überrascht, als ich hörte, dass die VT vollgetankt über 300kg wiegt. Das merkt man absolut nicht.

Nachteil: Klar, die begrenzte Schräglagenfreiheit. Gleich im ersten Kreisel setzte die linke Fußraste auf. Es brauchte ein paar Kurven bis ich den Dreh raus hatte, doch dann kam gut damit zurecht. Die VT 1300 CX ist eben nicht zum Kurvenräubern gemacht.

Aber das wäre auch gar nicht das gewesen, was ich jetzt wollte. Ich wollte entspannen. Und während Ernie und Bert auf ihren beiden Giftspritzen (Fireblade und CB 1000 R) davonzogen, brummelte ich wie Samson in einem Blau Metallic Massagesessel hinter ihnen her.

Fazit:

Sehr stimmiges Gesamtkonzept und anders als die radikale Optik vielleicht zuerst vermuten lässt, gut fahrbar.

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VFR 1200 F DCT

Transform and roll out!

Transform and roll out!

Jetzt wurde es futuristisch! Aaron hatte die VFR am Telefon bereits als ein ganz besonderes Highlight hervorgehoben. Das Aussergewöhnliche an diesem Sporttourer ist sein Doppelkupplungsgetriebe, wofür auch die Abkürzung DCT (Double Clutch Transmission) steht.

Die VFR 1200 F DCT hat ein automatisch geschaltetes Sechsganggetriebe. Das ganze fährt sich also nicht wie ein Roller, sondern wie ein ganz normales Motorrad, mit dem einzigen Unterschied, dass man eben nicht mehr selbst schalten muss (was man aber kann, wenn man möchte).

Die beiden Kupplungen sind für je eine Getriebewelle zuständig. Auf der ersten Welle sitzen die Gänge 1, 3 und 5, auf der zweiten die Gänge 2, 4 und 6. Schaltet man nun vom ersten in den zweiten Gang, kuppelt der erste Gang aus, während zeitgleich der zweite Gang einkuppelt.

Das Getriebe hat drei Modi:

  • D (Drive) – Hier schaltet das Getriebe extrem früh und hält so den Spritverbrauch und die Lautstärke des über 170PS starken V4 Aggregats niedrig. Aaron meinte, dass der Modus auch E wie Economy heissen könnte. Stimmt wohl. Denn das Getriebe schaltet so extrem früh, wie kein Fahrer normalerweise selbst schalten würde.
  • S (Sport) – In diesem Modus schaltet das Getriebe sportlich normal.
  • M (Manual) – Hat man diesen Modus gewählt kann man selbst bestimmen wie weit sich die Drehzahlmessernadel dreht. Geschaltet wird über zwei Taster am linken Griff.

Soviel zur Theorie, auf zum Praxistest! Zuerst: Die Sitzposition. Sehr angenehm. Sportlich, aber definitiv tourentauglich. Ob die Sitzbank allerdings auch so tourentauglich ist… Hm… Ich weiss nicht. Sie ist schon ziemlich straff gepolstert.

honda2010tt_16Der halbe Motorradfuhrpark bestand aus VFRs, so konnten wir auf drei identischen Maschinen losziehen. Der fehlende Kupplungshebel und der fehlende Schalthebel fühlten sich zwar zuerst etwas seltsam an, aber ich gewöhnte mich recht schnell an die ganze Sache und schaffte es ohne alberne Hampeleien an der ersten Kreuzung anzuhalten.

Das DCT baut kaum breiter als das normale Schaltgetriebe.

Das DCT baut kaum breiter als das normale Schaltgetriebe.

War ich durch die brachiale Leistung der Fireblade mit dem Schalten fast schon überfordert, konnte ich mich jetzt ganz auf das Fahren konzentrieren. Und das macht mit dem DCT richtig Laune! Innerhalb geschlossener Ortschaften fuhr ich im dezenten D Modus, außerhalb der Ortschaften im spaßigen S Modus.

Auf einer langen Geraden packte ich mich auf den Tank und gab mal etwas mehr Gas. Es machte unter mir einfach nur noch „klack, klack, klack“, als das Getriebe die Gänge durchschaltete und mich nach vorne katapultierte. Leck mich fett. Das ging ab! Den manuellen Modus testete ich nur kurz, S war super.

Den sportlichen Teil meisterte die VFR mit Bravour. Um den Tourencharakter der Maschine aber wirklich beurteilen zu können war die Zeit einfach zu knapp. Klar, ich hätte den ganzen Testtag nur auf der VFR verbringen können, aber die Auswahl an Motorrädern war einfach zu groß, als dass ich mich nur auf eins hätte beschränken wollen.

Fazit:

Vielleicht sind es die vom Transformersdesign hervorgerufenen Kindheitsflashbacks, vielleicht aber auch die clever umgesetzte Technik. Ich finde die VFR 1200 F DCT jedenfalls richtig cool und würde sie gerne mal ein Wochenende in den Alpen auf ihre Tourentauglichkeit testen. Vielleicht ist die Sitzbank ja doch bequemer als sie aussieht.

Auch toll: Die Koffer werden mit dem Zündschlüssel auf- und zugeschlossen.

PCX und Innova

honda2010tt_17Jetzt aber mal genug der Leistungsprotzerei. Als Nächstes testete ich den Honda PCX. Bis auf die 14″ Räder sieht der 125er Roller aus wie jeder andere Roller auch. Etwas fieser vielleicht, mit der matt- und glanzschwarzen Lackierung und den scharfen Kanten. Das Besondere steckt aber wie so oft im Inneren.

Bei dem kleinen Schwarzen sind Anlasser und Lichtmaschine ein Bauteil, bei dem, sobald der Motor läuft, die Funktion umgekehrt wird. Anlasser: Aus Strom wird Bewegung. Lichtmaschine: Aus Bewegung wird Strom. Dieser Trick bildet die Grundlage für die Besonderheit des PCX, seine Start-/Stoppautomatik. Hält man an, schaltet der Motor nach ein paar Sekunden ab und eine kleine gelbe Standby Anzeige blinkt im Cockpit. Soll es wieder weiter gehen, genügt ein Dreh am Gasgriff.

Kurz vor dem Mittagessen legten Boris und ich noch eine kleine Testrunde ein. Er auf der Innova, ich auf dem PCX. Und ich muss sagen, der PCX fährt sich mit den großen Reifen eigentlich ganz gut. Für einen Roller. An der ersten Kreuzung musste ich anhalten, da viel kreuzender Verkehr kam und zack, plötzlich war der Motor aus. Als die Kreuzung frei war, drehte ich am Gasgriff und ohne Verzögerung sprang der Motor wieder an und es ging nahtlos weiter. Das war schon irgendwie cool.

Honda Super Cub 50

Honda Super Cub 50

Auf halber Streckte tauschten Bert und ich die Moppeds. Die Innova ist die Nachfolgerin des Honda Cub, eines der meistgebauten Kraftfahrzeuge aller Zeiten.

Der 125ccm Motor ist verwandt mit dem der Honda Monkey und besitzt ein halbautomatisches Vierganggetriebe mit dem Schaltschema 0, 1, 2, 3, 4. Das heisst, die Gänge werden alle einfach nach oben durchgeschaltet und wenn man im vierten Gang nicht aufhört mit dem nach oben Schalten, landet man wieder im Leerlauf.

Tja und das Fahrverhalten? Absolut gutmütig. Mit den großen Reifen und dem geringen Gewicht fährt sich die Innova wie ein Moutainbike. Es wundert mich nicht, dass sich auch die Innova verkauft wie warme Semmeln. Damit kann wirklich jeder umgehen.

CB 1000 R

Nach dem sehr leckeren Mittagessen im hauseigenen Restaurant (die Bezeichnung Kantine wäre bei dem was und wie aufgetischt wurde einfach nicht angebracht) blieb keine Zeit zum Verdauen, es ging gleich wieder sportlich zur Sache.

Mein nächstes Testobjekt war die CB 1000 R.

Die Sitzhaltung ist, bedingt durch den relativ breiten und flachen Lenker sowie die hohen, zurückverlegten Fußrasten, sportlich bis kämpferisch. Man lehnt ehr von oben auf den Lenker, als dass man ihn vor sich herschiebt.

Dieses Setup in Kombination mit einem leicht modifizierten Fireblademotor mit 125PS machen tierisch Spaß! Die Maschine lässt sich messerscharf durch die Kurven zirkeln um am Kurvenausgang wie das Gewicht eines Hammerwerfers wieder auf eine gerade Laufbahn geschleudert zu werden.

Fazit:

Für Kurvenschleifer genau das Richtige!

Prügeleisen

VT 750 S

honda2010tt_27Kollege Bert ist sie gefahren, als ich mit der Fireblade unterwegs war. An der ersten Ampel, an der wir anhalten mussten, hielt er neben mir an, klappte das Visier nach oben und grinste über das ganze Gesicht. „Hör mal, der Sound ist echt klasse!“ rief er durch den Helm und drehte am Gas.

Stimmt wohl! Dass aus einem Motorrad Baujahr 2010 und einer Serienauspuffanlage so ein Sound rauskommen kann ist wirklich beachtlich! Lässig blubbernd. Und das gar nicht mal leise.

Lässig fährt sich die VT auch. Man sitzt sehr entspannt und die 44PS sind voll OK. Für meinen Geschmack könnten die Fußrasten noch 10cm weiter hinten sitzen, dann wäre die Sitzposition perfekt.

Fazit:

Eine tolle, alltagstaugliche Maschine mit einem richtig guten Sound! Die könnte ich mir vorstellen auch selbst zu fahren.

honda2010tt_28

Vielen Dank an Aaron und die anderen Honda Leute für diesen tollen Tag!

4 Kommentare

  1. Guter Mann, ein straffes Sitzpolster ist essenziell für lange Touren. Auf weichen Sitzbänken sitzt man sich buchstäblich den Arsch platt – schon nach wenigen 100 Kilometern. Der Alpentest würde mich persönlich auch interessieren.

  2. Na freilich, zu soft ist auch nix. Ich weiss nur nicht so ganz, ob die Sitzgelegenheit nicht etwas zu hart ist.

    Aber das bräuchte eben einen Test. :)

  3. Das Moped ist nicht schlecht. Aber wie Clemens schon sagt der Sitz muss passen sonst wirds unangenehm und man rutscht nur noch von rechts nach links.

  4. Pingback: Honda Power of Dreams Testtage « BROAAAA! – Motorräder, Technik, Touren und Klönen

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