Fotos, Unterwegs
Kommentare 5

Überführung im Regen

Meine Güte, war das ein Mistwetter, fast wie auf unserer Twitaly Tour. Gut, wenn man Optimist ist, so kann man den Schnürsenkeln, die auf einen herunterprasseln wenigstens die positive Eigenschaft einer adäquaten Testumgebung für die neue Regenausrüstung abgewinnen.

Ich habe das vergangene Wochenende um einen Tag verlängert und es dazu genutzt die GS1000 meines Onkels zu ihm nach Österreich zu fahren.

Die Maschine stand elf Jahre teilzerlegt in einer kleinen Halle. Da hieß es erst einmal Weidmannsheil und auf zur Teilejagd. Überall kamen Schrauben, Hülsen oder Federn zum Vorschein. Es hat eben jeder sein ganz persönliches Ablagesystem. Das gleiche Baujahr wie meine kleine GS400 und das Baukastensystem von Suzuki machten es mir letztendlich aber leicht, die richtigen Teile herauszupicken. Weidmannsdank!

Nachdem die Gabel wieder zusammen- und das Vorderrad eingebaut war, wurde der Vierender auf den Anhänger verladen und in die heimische Garage verfrachtet.

Der rein mechanische Zusammenbau war wirklich schnell erledigt. Zylinderkopf drauf, ein Paar Nockenwellen reingestopft, Auspuff dran, Öl und Vorspannhülsen in die Gabel, schon sah das Ganze fast wieder aus wie ein Motorrad. Die mittlerweile doch schon etwas harten Ansaugstutzengummis hielten mich etwas auf, aber nach einer Kurpackung WD40 und einer dreiviertel Stunde Heißluftwellness gaben die Burschen schließlich doch auf.

Aber die Elektrik… Das rechte Blinkerpaar blinkte einwandfrei, das linke nur sehr langsam und schwach. Bei einem Druck auf den Anlasserknopf blieb der Vierzylinder stumm und Strom gab es nur, wenn der Killschalter auf „Off“ stand.

Ich habe die Fehlersuche damit begonnen, den Schaltplan zu studieren und alle Steckverbindungen auf ihre Richtigkeit und Korrosion zu überprüfen. Das sah alles soweit gut aus.

Ein Kabel vom Pluspol der Batterie direkt auf den Anschluss des Anlassers gehalten entlockte Selbigem auch zugleich ein gesundes Surren. Wir hatten also Masse auf dem Rahmen und dem Motorgehäuse.

Auch ein festgebackenes oder defektes Anlasserrelais konnte ich nach dem Zerlegen und dem Test direkt an der Batterie ausschließen.

Anlasser- und Blinkerrelais sitzen zusammen mit dem Gleichrichter, Laderegler und den Sicherungen auf einer gemeinsamen Halteplatte, welche gummigedämpft im Rahmendreieck festgeschraubt ist. Letztendlich war für die ganzen absurden Symptome eine schlechte Masseverbindung dieser Platte verantwortlich, was mit einem einfachen Kabel zwischen dieser Platte und dem Minuspol der Batterie erledigt war. Noch den Tank, die Seitendeckel und die Zierleisten der Sitzbank montiert, Zündung eingestellt und das war’s. (Die Vergaser waren noch ganz brauchbar eingestellt.)

Am Samstag ging es dann in aller Herrgottsfrühe los Richtung Österreich. Ich war vielleicht eine Stunde unterwegs und rollte so meines Weges, als der Suzi beim Überholen plötzlich die Puste ausging. Fuck, was ist das denn jetzt? Als ich auf den Standstreifen rollte gingen mir die verschiedensten potenziellen Fehlerquellen durch den Kopf. Aber langsam. Erstmal das Einfachste prüfen: Ist noch genug Sprit im Tank? – Nö… Ups! Die alte Dame ist ein ganz schöner Schluckspecht. Aber alles kein Problem, schließlich hatte ich mein ganz persönliches Supportfahrzeug mit dabei. Mein Vater ist kurzfristig mitgekommen und hatte Werkzeug, Motoröl und einen Kanister Sprit im Auto. Flugs die zehn Liter umgefüllt und weiter ging’s.

Nach zehn bis zwanzig Kilometern legte ich dann den zweiten ungeplanten Stopp ein, da ein Vogel bei 150 Sachen versuchte mich vom Motorrad zu reissen. Dieses größenwahnsinnige Unterfangen überlebte der kleine Kerl leider nicht und fiel beim Abstellen der Maschine tot vom Motorblock. Ihn einfach da auf dem ollen Parkplatz liegen zu lassen fand ich nicht sonderlich pietätvoll und so fand der kleine Kamikazepilot seine letzte Ruhe unter einem Kastanienbaum an der Autobahnraststätte Steigerwald Süd.

Die restliche Fahrt verlief aber ohne weitere Zwischenfälle und ich blieb sogar bis Rosenheim vom Regen verschont. Ab dort musste ich allerdings doch auf meinen neuen Regenkombi und die neuen Gamaschen zurückgreifen. Das wasserdichte Duo hat mich dann auch komplett trocken nach Österreich gebracht. Ich musste nicht ein einziges Mal anhalten um die Schuhe auszuleeren. Tolle Sache!

Am Samstag war dann ein Supermotorennen angesagt. Bei angenehmen 4° Celsius und Regen standen wir hinter der Bande während die Wahnsinnigen mit ihren laut bollernden Einzylindern über die ehemalige Bahnanlage im Gewerbegebiet Högmoos Ost in Taxenbach pflügten. Das war schon ein echt beeindruckendes Spektakel, wenn die Jungs und Mädels im Drift um die Kurve geprügelt kommen um anschließend die Maschinen mit einem Powerwheelie auf die Gerade zu zirkeln.

Lustig waren auch die Nachwuchsklassen mit 65 und 85 Kubikzentimetern. Während einige es sehr, sehr bedächtlich angehen ließen, haben andere es wirklich krachen lassen.

Es gab auch einige Stürze, welche zum Glück fast alle glimpflich verliefen. Lediglich einer der Nachwuchsfahrer, ein Deutscher, stürzte nach dem Sprunghügel und blieb regungslos liegen. Der Notarzt war schnell zur Stelle und der Lauf wurde abgebrochen. Von unserer Position aus konnten wir die Lautsprecherdurchsagen nicht hören. Hoffentlich ist ihm nichts all zu Schlimmes passiert.

Nach dem Lauf der Open Klasse hat uns die Kälte schließlich doch noch vertrieben. Und nach einer leckeren und riesigen Portion Spare Ribs zum Abendessen ging es am Montag ohne Motorrad wieder nach Hause.

5 Kommentare

  1. Sehr cooler Artikel. ;) So ’ne 1000er ist schon was Feines. Aber wenn man was Kleineres und/oder Wendigeres gewöhnt ist, find ich’s schon heftig, das Ding um die Kurven zu wuchten! Ich sag jetzt mal spontan, das es eine E und keine G ist…

  2. Danke! :)

    Stimmt, das ist schon eine tolle Maschine. Beim Gasgeben hört man förmlich wie es das Benzin/Luft Gemisch in die Brennkammern reisst. :)

    Ich bin rechnerisch auf ein Gewicht von ~262kg gekommen. Das ist schon eine Ganze Ecke mehr als meine Kleine hat.

    Und dazu noch dieser extrem breite Lenker, das war schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber es ging. Das ist wahrscheinlich ähnlich wie bei der Goldwing, wenn sie mal rollt, dann rollt sie. :)

    Ja, richtig getippt. ;)

  3. Der Regen war echt keine Wonne. Von Berlin bis kurz vor Klippan in Schweden hat es nur geschifft. Da haben die 4 Stunden auf der Fähre auch nicht wirklich geholfen, die Klamotten waren nass und wurden da natürlich auch nicht trocken.

  4. @Max: Ihr wart zum Glück lange genug unterwegs um auch etwas Sonne abzubekommen. :) Bin schon auf den Blogeintrag gespannt! ;)

  5. @Alexander: Ja, das stimmt schon, aber fürs nächste Mal werde ich mir auch wieder Pellen zulegen. Vor allem für die Füsse und die Hände, das stört ja am meisten. Oberkörper und Beine waren ja verhältnismäßig trocken geblieben, dank dem Innenfutter.

    P.S.: Teil 1 von 5 ist heute online gegangen. ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.